Internat mit Tradition

Von der Pfarrerschmiede zum Chorinternat

Als der Windsbacher Dekan Heinrich Brandt anno 1837 das „allgemeine protestantische Pfarrwaisenhaus“ gründete, hatte er die Situation der bayerischen Pfarrfamilien und hier insbesondere der Pfarrwitwen im Blick. Oft konnten diese ihren Sprösslingen keine angemessene Schulbildung bieten, weil die nächste höhere Schule unerreichbar weit weg war. Eine „Anstalt“ mit angegliedertem Progymnasium sollte diesem Mangel abhelfen und gleichzeitig den Pfarrer-Nachwuchs für die Kirche heranziehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein bestanden zeitweise zwischen zwei Drittel und drei Viertel jeder Klasse im Progymnasium und teilweise 100 Prozent der entsprechenden Gruppe im Internat aus Pfarrerskindern. Viele von ihnen traten später tatsächlich auch in die Fußstapfen ihrer Väter und Großväter.

Heute beherbergt das Internat kaum noch Pfarrerssöhne. Schon die Wiedereröffnung nach dem 2. Weltkrieg (als kirchliche Einrichtung war das Haus 1941 geschlossen worden) brachte Buben jeder Provenienz nach Windsbach. Mit dem flächendeckenden Angebot an Gymnasien  und einer besseren Infrastruktur trat der Gründungszweck des Pfarrwaisenhauses endgültig in den Hintergrund. Ab Mitte der siebziger Jahre musste niemand mehr sein Kind in ein Internat geben, um ihm den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen. Gleichzeitig zog die 1946 begonnene Chorarbeit zunehmend Buben auch aus kirchenfernen Schichten nach Windsbach. Das Pfarrwaisenhaus, mittlerweile zum „Studienheim“ mutiert, öffnete sich diesen Schichten. Aufnahmekriterium ist seitdem nicht mehr die Herkunft aus einem Pfarrhaus oder einer kirchlich orientierten Familie, sondern Stimme und Musikalität des „Knaben“. Nach wie vor aber können auch Nicht-Sänger in Windsbach einchecken!

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