Mit dem Blick zurück nach ganz vorne

WINDSBACH (17. März 2017). Akamus – für Liebhaber exzellenten Orchesterklangs vor allem bei Werken des Barock hat dieses Akronym, ein neues Wort, das aus Abkürzungen entsteht, einen besonderen Klang. Und erst recht, wenn man es aufschlüsselt: Akademie für Alte Musik. Das klingt schon für sich! Der Klangkörper hat seinen Sitz in Berlin und ist während der Spanien-Tournee mit Bachs h-moll-Messe erneut Partner der Windsbacher. Erst 2014 hatte man gemeinsam das Weihnachtsoratorium musiziert.

Die Akademie für Alte Musik wurde 1982 von Mitgliedern Ost-Berliner Orchester gegründet und hat sich in den 35 Jahren ihres Bestehens einen festen Platz an der Weltspitze der historisch informiert musizierenden Kammerorchester erspielt. Seinerzeit war dies „im Westen“ schon en vogue, während sich die ostdeutschen Nachbarn noch der romantischen Leipziger Bach-Tradition verpflichtet fühlten. Väter dieser Strömung waren unter anderem der 2016 verstorbene Nicolaus Harnoncourt und Reinhard Göbel, der 1973 das Ensemble Musica Antiqua Köln gründete.
 
Historisch informierte Aufführungspraxis
Unter der historisch informierten Aufführungspraxis versteht man beispielsweise die authentische Verzierungspraxis: Vor allem das Zeitalter des Barock kannte ein virtuose Verzierungs- und damit Improvisationspraxis, die sich gut rekonstruieren lässt. Daraus entsteht eine vitale und variantenreiche Interpretation. Meist erklingen originalgetreue Instrumente, historische oder Kopien, was eine andere Klangfarbe erzeugt, als es bei modernen Instrumenten der Fall ist. Musiziert wird auch gerne auf historischer Stimmtonhöhe und Temperatur: Den Werken und den Gegebenheiten entsprechend verwendet man andere Stimmtonhöhen und Temperaturen, also der Relation der Töne zueinander), weil das der Musik ein besonderes Timbre geben kann. Schließlich bildet die historische Artikulationspraxis den Mittelweg zwischen kleinteiliger, tänzerischer Artikulation und dem großen gesanglichen Zusammenhang.
 
Nicht nur deswegen kann das Ensemble eine beeindruckende Erfolgsgeschichte vorweisen: Die internationale Bedeutung des Orchesters zeigt sich in der Vielzahl seiner Gastspiele im In- und Ausland. Regelmäßig gastiert das Ensemble in allen musikalischen Zentren Europas, Asiens, sowie Nord- und Südamerikas. Konzert-Tourneen führten es 2016 nach Argentinien und Japan; unmittelbar vor der Reise mit den Windsbachern war man in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo man neun Konzerte mit Barockmusik unter anderem in der New Yorker Carnegie Hall und beim Boston Early Music Festival musizierte.
 
Eigene Abo-Reihen in Berlin und München
Seit 1984 gestaltet das Orchester eine eigene Abo-Reihe im Konzerthaus Berlin und ist in der Hauptstadt seit 1994 regelmäßiger Gast an der Staatsoper. 2012 begann dann auch eine eigene Konzertreihe im Prinzregententheater München. Auf dem Konzertkalender stehen jährlich rund 100 Auftritten, wobei man in verschiedenen Besetzungen vom Kammerensemble bis zum sinfonischen Orchester musiziert. Die Konzerte finden unter der wechselnden Leitung der Konzertmeister Stephan Mai, Bernhard Forck und Georg Kallweit sowie ausgewählter Dirigenten statt.
 
Vor allem mit dem Barock-Spezialisten René Jacobs verbindet das Ensemble eine enge künstlerische Partnerschaft, in deren Rahmen zahlreiche gefeierte Opern- und Oratorienproduktionen realisiert wurden. International hoch gelobt und mit Preisen ausgezeichnet wurden vor allem die gemeinsamen Interpretationen von Johann Sebastian Bachs Passionen sowie Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und der „Zauberflöte“. Andere dem Ensemble verbundene Dirigenten sind Marcus Creed oder Hans-Christoph Rademann; neben Martin Lehmann werden Künstler wie Bernard Labadie, Paul Agnew oder Rinaldo Alessandrini in naher Zukunft das Orchester leiten.
 
Auch weit über eine Million verkaufte Tonträger dokumentieren den internationalen Erfolgs des Orchesters. Die seit 1994 exklusiv für das Label harmonia mundi France produzierten Aufnahmen wurden mit allen bedeutenden Schallplattenpreisen ausgezeichnet, darunter Grammy Award, Diapason d’Or, Cannes Classical Award, Gramophone Award, Edison Award, MIDEM Classical Award und der Choc de l’année sowie der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Zuletzt erschienen unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann Georg Friedrich Händels „Water Music“, der „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Bachs Johannes-Passion unter von René Jacobs. 2006 erhielt Akamus darüber hinaus den Telemann-Preis der Stadt Magdeburg sowie 2014 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig und den begehrten ECHO Klassik.