Der Draht nach Windsbach glüht noch immer

WINDSBACH (4. Januar 2019). Wer im Windsbacher Knabenchor singt, lernt nicht nur großartige Werke der Kirchenmusik und viel über den richtigen Gebrauch seiner Stimme: Auch der Umgang miteinander, die berühmten Sekundärtugenden stehen auf dem imaginären Stundenplan der Sänger. Und so wird es für sie später eine Selbstverständlichkeit sein, sich auch für andere stark zu machen. Interessanterweise betrifft das aber nicht nur die Choristen: Auch viele Eltern von Windsbachern engagieren sich für den Chor. Eine davon möchten wir heute vorstellen: Barbara Franz-Orlitsch.
 
Von 1997 bis 2010 hatten Barbara Franz-Orlitsch und ihr Mann Karl Franz ihre Söhne in Windsbach: Sebastian (30) und Matthias (28). Beide wurden „musikalisch infiziert“ und sind dem Singen bis heute treu geblieben. Der Ältere hat es sogar zum Beruf gemacht und ist heute Mitglied des Frankfurter Opernchores. Der Jüngere studierte Politik, Wirtschaft und Kulturwirtschaft und arbeitet nun bei einem großen deutschen Automobilhersteller; auch er singt weiterhin in mehreren Chören und Gesangsensembles.
 
Für die Eltern war es das Richtige, dass ihre Jungs den Schritt nach Windsbach wagten. Wobei die Mutter sofort Feuer und Flamme war und sich der Vater, ein Musiklehrer, erst noch an den Gedanken gewöhnen musste. Doch das Vorsingen an der Nürnberger Musikschule und dann in Windsbach war eben höchst erfolgreich. Sebastian ging ab der dritten Klasse in Windsbach zur Schule, Matthias folgte so schnell wie möglich und war bereits kurz nach Eintritt bei der Israeltournee 1999 mit von der Partie. Beide Söhne haben nach dem Abitur ein Freiwilliges soziales Jahr im Ausland absolviert – Sebastian in Tansania, Matthias in Costa Rica. Bis heute sind die beiden ihren Eltern dankbar für die Möglichkeit, Windsbach erlebt haben zu dürfen.
 
Für Barbara Franz-Orlitsch war klar, sich in Windsbach im Elternbeirat zu engagieren. Sie gehörte ihm lange Jahre an, von 2006 bis 2010 auch als Vorsitzende: „Es war mir wichtig, zu wissen, wie es den Jungs im Sängerinternat geht, und als Eltern auch ein wenig Einfluss auf das Leben dort nehmen zu können.“ Sie erinnert sich an viele Gespräche und Telefonate, in denen sie als Bindeglied zwischen Chor und den Familien, die vielleicht etwas weiter weg lebten, wirken konnte. So manches Herz wurde hier ausgeschüttet – und durch Zuspruch verarztet. Und Frau Franz-Orlitsch hat etwas verinnerlicht, was Choristen immer wieder unterstreichen: „Einmal Windsbacher – immer Windsbacher!“
 
So war es für sie eine Selbstverständlichkeit zuzusagen, als sie von der damaligen Chormutter Uli Sauerbier vor einer Lorenzer Motette gefragt wurde, ob sie nicht mal beim Verkauf der Programmhefte aushelfen könne. Es blieb natürlich nicht bei diesem „Mal“: Bis heute ist Barbara Franz-Orlitsch dafür verantwortlich, dass die Besucher der Motette wissen, was gesungen wird und in das Gemeindelied einstimmen können. Ihr Haus im heimischen Schwabach könnte vom Chor irgendwann auch gut als Archiv genutzt werden: Hier finden sich sämtliche Programmhefte, Flyer und sonstige Broschüren der letzten 20 Jahre.
 
Und dieser Bestand wird weiter wachsen, denn Frau Franz-Orlitsch will ihr ehrenamtliches Engagement natürlich auch in Zukunft ausüben – schließlich hat sie seit der ersten Motette ihrer Söhne keine einzige davon verpasst. „Sie sind ja immer noch da“, hört sie oft, wenn Menschen nach längerer Absenz wieder den Weg in die Kathedralkirche finden. Und wenn die Arbeit erledigt ist und die Programme verkauft worden sind, dann genießt Barbara Franz-Orlitsch jede Minute: „Einfach eine wunderbare Stunde“, so bezeichnet sie die traditionelle Kirchenmusik in St. Lorenz. Dass sie auch zur 500. Motette am 12. Oktober 2018 Programmhefte verkaufte, war daher natürlich keine Frage, sondern eben eine Selbstverständlichkeit.