Reise(n) mit wohliger Gänsehaut

WINDSBACH (29. Juni 2017). Für einen Fan ist es sicherlich ein Traum, seinen Star zu begegnen. Manche Radiostationen organisieren hier ein „Meet & great“, bei dem man dem Künstler am Rande eines Konzerts sogar die Hand schütteln darf. Die Mitglieder der Fördergesellschaft haben es hier mindestens ebenso gut, denn diese bietet in regelmäßigen Abständen Begleitreisen während einer Tournee der Windsbacher an. Von der jüngsten nach Turin berichtet der Organisator Herbert Pfister in einem Gastbeitrag.

Natürlich ist bekannt, dass Turin Ort der Olympischen Winterspiele 2006 war – obwohl ich nicht wusste, dass man bei vernünftigem Wetter vom Stadtzentrum aus die Alpen so greifbar nahe vor Augen hat. Jeder Fußballfan weiß, dass „die alte Dame“ Juventus, die Fußballmannschaft um Sami Kedira und den sagenhaften Gigi Buffon (über tausend Spiele als Profi!) wieder einmal ganz oben bei den europäischen Champions steht.
 
Auch in Sachen Gourmet kann Turin mit besonderen Leistungen punkten: Es  war der große Konditor Pietro Ferrero aus Turin, der 1946 die heute weltbekannte Nutella-Creme kreierte. Nougat wurde übrigens ebenfalls von Turinern erfunden, weil man während der Napoleonischen Kriege und der Kontinentalsperre das mangelnde Kakaopulver mit gemahlenen und  gerösteten piemontesischen Haselnüssen streckte. Turin gilt bis heute als Schokoladenhauptstadt Italiens. Zu dem Festival „Cioccola To“ kommen jährlich knapp eine Million Besucher nach Turin.
 
Gute (katholische) Christen wissen, dass Turin weltweit die Stadt ist, aus der die meisten Heiliggesprochenen stammen. Das „Grabtuch von Turin“ ist die bedeutendste Reliquie der katholischen Kirche. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, dem ist auch bekannt, dass nicht Rom oder Florenz die erste Hauptstadt der Italienischen Republik war, sondern eben Turin.
 
Autoliebhaber italienischer Fahrzeuge wissen, dass FIAT nichts anderes bedeutet als Fabbrica Italiana Automobili Torino und dass der Firmengründer Giovanni Agnelli selbstverständlich aus Turin stammte. Die größte Produktionsstätte war einst das Lingotto im Süden von Turin. Dieser Fabrikationsbereich wurde 1982 geschlossen. Man hat die Werkshallen in ein großes Einkaufszentrum samt Konzertsaal für rund 2200 Zuhörer umfunktioniert.
 
Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Punkt, denn obwohl wir diese Fakten – zumindest nach der informativen Reise – alle präsent hatten, waren diese für 44 Menschen aus der Fördergesellschaft  des Windsbacher Knabenchores nicht der eigentliche Grund, vom 31. März bis zum 5. April zu einer Reise nach Turin aufzubrechen: Diese Gruppe hat während besagter Tage sehr viel Interessantes, Schönes, Beeindruckendes, Schmackhaftes, Spirituelles gesehen und erlebt. Der Höhepunkt war aber eindeutig die Aufführung der h-moll- Messe mit der Akademie für Alte Musik Berlin, mit Nuria Rial, Rebecca Martin, Markus Schäfer und Thomas Laske und dem Windsbacher Knabenchor unter Leitung von Martin Lehmann im nahezu ausverkauften Lingotto.
 
Natürlich weiß der ein oder andere bei jeder Kunstinterpretation, was man noch besser, anders hätte machen könnte. Ich habe nicht das Zeug, ein solches Konzert kompetent zu kritisieren und kann nur sagen, dass ich während der Aufführung wiederholt Gänsehaut bekam, weil ich von der Interpretation dermaßen berührt war, weil unsere Buben so schön, so gekonnt, so ausdrucksstark musiziert haben. Zum Schluss blieb nur Stolz auf das, wozu unsere „Windsbacher“ fähig sind: Für diese zwei Stunden war es wert eine sechstägige Reise durchzuführen.
 
Außerdem erlebten wir eine wunderschöne Alpendurchquerung, stiegen in einem guten Hotel in zentraler Lage mit äußerst freundlichem Personal und schmackhaftem und reichlichem Essen ab, erhielten eine lehrreiche  Stadtführung mit Georgio in Turin, den man mit seinem „besonderen“ Deutsch  einfach nur lieb haben musste („Warum, dass...“). Wir machten einen stimmungsvollen Ausflug nach Cuneo, Saluzzo und zur Kirchenanlage von Vicoforte, sogar mit Regen und Schnee auf den Bergen, bekamen Sonne und Frühlingsgefühle auf der Fahrt in die Langhe und nach Alba mit unserer örtlichen Reiseführerin Cristina, die vor allem zum Thema Trüffel ihr reiches Wissen engagiert vortrug. Wir genossen eine auch atmosphärisch geschmackvolle Weinprobe, bei der wir es noch länger hätten aushalten können und verfügten über genügend Freizeit. Wer wollte, hätte an einem Tag sogar einmal ausschlafen können. Darüber hinaus erfreuten wir uns an vielen nette Begegnungen sowie guten Gesprächen und konnten auf einen stets freundlichen, hilfsbereiten und immer auf Sicherheit bedachten Busfahrer vertrauen. Kurzum: Es herrschten eine gute Stimmung und ein hervorragender Teamgeist.
 
Das alles hatte Turin für uns zu bieten. Und wenn man dann noch in einer ehemaligen FIAT-Werkshalle mit Johann Sebastian Bach so viel Musikgenuss, Flair und Gänsehautstimmung erzeugen kann, dann kann man nur sagen: Alle Achtung, diese Stadt ist nicht nur spitze, sie hat auch Kultur! Zum Schluss waren wir uns einig, falls es im nächsten Jahr wieder eine Begleitreise der Fördergesellschaft zu einem Knabenchorkonzert geben sollte und wir gesund bleiben, dann sind wir wieder mit dabei. Es macht Spaß die Windsbacher zu fördern. Und es blieb am Ende der Reise auch noch ein bisschen Geld als Spende für den Chor übrig…
 
Sollte jemand nun auf den Geschmack gekommen sein und Interesse an einer zukünftigen Reise haben und bisher nicht im Verteiler sein, soll er bitte einfach eine Mail an mich schicken: familie_pfister@t-online.de.
 

Gastbeitrag von Herbert Pfister