Rezeptfreie Unterstützung

VACH (24. September 2015). Wenn die heute im Chor Verantwortlichen gleich lesen, wie Christian Frosch 1978 seinen Weg nach Windsbach fand, werden sie neidisch aufseufzen: Er hatte den Chor in Konzerten erlebt und unheimlich Lust, da selbst mitzusingen. Unterstützt wurde er dabei von seinem Musiklehrer, einem großen Fan des Knabenchores, und dem damaligen Gemeindepfarrer in Vach, selbst ehemaliger Windsbacher. Heute betreibt Frosch dort eine Apotheke und unterstützt den Chor jährlich mit mehrere Kilogramm Hustenbonbons, denn für ihn heißt es: „Einmal Windsbacher – immer Windsbacher.“

Als Christian Frosch im April 1978 zum Vorsingen nach Windsbach kam, muss er auf den damals neuen Chorleiter – Karl-Friedrich Beringer war erst seit zwei Monaten im Amt – wohl mächtig Eindruck gemacht haben: „Der fragte mehrmals bei meinen Eltern nach, ob sie sich denn schon für Windsbach entschieden hätten“, erinnert sich der Apotheker. Vater und Mutter Frosch waren anfangs gar nicht so begeistert, ihren Sohn ins Internat zu geben. Doch wie gesagt: Sohn Christian wollte. Unbedingt.
 
Also zog er im September in Windsbach ein, durchlief die Chorvorbereitung und lernte im Probenchor, bis er in der fünften Klasse schließlich in den Reisechor aufrückte. Sein erstes Konzert sang er in Hof: „Wie es war, weiß ich gar nicht mehr.“ Vielleicht liegt das auch daran, dass diesem Auftritt noch viele weitere folgen sollten: Im Laufe seiner Windsbacher Zeit bestritt Frosch mehr als 900 Konzerte, Chorandachten, Motetten und Gottesdienste sowie Fernseh- und CD-Aufnahmen!
 
Euphorie besiegt Heimweh
An seine ersten Monate erinnert sich Frosch hingegen noch gut, denn die Euphorie, die ihn nach Windsbach brachte, erhielt durch das unvermeidliche Heimweh den einen oder anderen Dämpfer. Doch sie überwog, was auch daran lag, dass der junge Sänger, der als Sopran anfing und bald in den Alt wechselte, merkte, wie toll es ist, so viele Gleichaltrige um sich zu haben: „Du bist in Windsbach nie allein, immer ist jemand da, mit dem Du reden oder Quatsch oder einfach mal nichts machen kannst.“ Windsbach sozialisiert – und das in einem Alter, in dem die Jungs dieses Wort wahrscheinlich noch nie gehört haben.
 
„Natürlich waren die Eltern froh, wenn ich an einem Wochenende mal daheim war“, blickt Frosch zurück. Er weiß, dass Mutter und Vater durch Windsbach eine wichtige Zeit im Leben ihres Sohnes kaum miterleben konnten: den Schritt vom Kind zum jungen Mann. Das barg natürlich auch Konfliktpotenzial, denn der Sohnemann gönnte sich so manche Kapriole, zum Beispiel einen Moped-Unfall ohne Führerschein, dafür aber mit Knochenbruch. Doch Christian Frosch lernte in Windsbach auch, unabhängig vom Elternhaus Verantwortung zu übernehmen: für sich und mit seinem Singen im Knabenchor auch für andere.
 
900 Auftritte in elf Jahren
Und was er dort nicht alles erlebte: Nach dem Stimmbruch kam er mit 13 Jahren zurück in den Chor, wo er bis zum Abitur als Tenor sang. Sogar nach dem Ende seiner Schullaufbahn bestritt er noch eine Konzertreise nach Berlin und die CD-Aufnahme des Mozart-Requiems; auch während seiner Bundeswehrzeit ließ er sich aufgrund einer Tenorknappheit nochmals für zwei Konzerte mit dem Requiem und der Krönungsmesse gerne rekrutieren. Davor hatte er die rege Konzerttätigkeit eines Windsbachers erlebt – und als Höhepunkt 1985 seine erste Konzertreise: nach Brasilien, Paraguay und Argentinien! Weitere Tourneen führten ihn nach Norwegen, Portugal und in die USA.
 
Nach dem Abitur hieß es aufgrund des Numerus Clausus von 1,2 für das Studium der Pharmazie warten, was Frosch für eine Ausbildung zum pharmazeutisch-technischen Assistenten nutzte. Die Universität besuchte er dann von 1992 bis 1997 in Regensburg, wohin er jeden Tag von Fürth aus mit dem Zug fuhr. Reisezeit war für ihn Lernzeit.
 
Konzentration und Durchhaltevermögen
Und weil gerade das Pharmaziestudium sehr viel Disziplin und Einsatz erfordert, kam Frosch das in Windsbach Gelernte mehr als zugute: „Beringer hatte uns gelehrt, immer alles zu geben. Konzentration und Durchhaltevermögen – auch wenn es mal keinen Spaß macht.“ Drei Staatsexamen hat Frosch absolviert – und in der Freizeit mit der Familie noch ein Haus gebaut! Im Jahr 1998 hielt er dann seine Approbation als Apotheker in den Händen: „Auch Windsbach sei Dank“, ist er sich sicher.
 
Bereits 1988, im Jahr seines Abiturs, sang Frosch mit drei anderen auf dem Gemeindefest in Vach: „Aus purem Spaß.“ Und der hält bis heute an: Mittlerweile gab es „personelle Veränderungen“ und aus dem Quar- wurde ein Quintett. Nach 25 Jahren des gemeinsamen Musizierens fand man auch einen originellen Namen: „Fünf-Vach“. Gesungen werden vor allem die „Windsbacher Psalmen“ von Helmut Duffe und Emanuel Vogt, aber auch andere Lieder vom Schlager bis zum Volkslied, geprobt wird regelmäßig.
 
Frosch, der in Windsbach Oboe spielte, hat vor sieben Jahren übrigens sein Instrument entdeckt: Als Sohn Maximilian den Wunsch äußerste, Schlagzeug zu lernen, ging Vater Christian mit zur Musikschule und begann ebenfalls, die Sticks zu wirbeln. Heute spielt er in einer Band und übt als Mittagspausengestaltung täglich eine halbe Stunde!
 
Sozialkompetenz erworben
Die (und der) Musik ist Christian Frosch also erhalten geblieben – wie auch die Verbindung zu „seinen“ Windsbachern anhielt. Als positiv hat er auch erlebt, dass ihn die im Chor vermittelte Zielstrebigkeit und ein gewisses Durchsetzungsvermögen seinen weiteren Lebensweg hindurch begleitet und diesen sicherlich mancherorts auch geebnet haben: „Das kannte ich früher so nicht, aber im Chor war das dann selbstverständlich.“, sagt er. Und noch etwas komme ihm heute als Mensch, der täglich im Kundenkontakt steht, zugute: „Ich habe durch das Zusammenleben im Internat und durch das gemeinsame Singen im Chor gelernt, mit allen Leuten zurechtzukommen.“
 
Und Christian Frosch revanchiert sich gerne: Als Apotheker hat er natürlich diverse Kontakte zu Herstellern pharmazeutischer Präparate, zu denen eben auch Hustenbonbons gehören. In Windsbach werden jedes Jahr seit jeher Unmengen von Pastillen der Marke Ipalat gelutscht: „Für Sänger ein Allheilmittel“, weiß Frosch, weswegen er über seinen Außendienstler Kontakt zur Geschäftsführung des Herstellers Dr. Pfleger aufnahm, die gerne Unterstützung signalisierte. Seitdem packt er zwei, drei Mal im Jahr ein Paket mit den heilenden Drops – Warenwert immerhin 2000 Euro! Wenn es in Windsbach also mal wieder in den Sängerhälsen kratzt, ist man hier dank Christian Frosch gut ausgestattet: Im Chorbüro ist immer genug Nachschub da.