Überzeugt vom Konzept Windsbach (1)

GEORGENSGMÜND (17. Februar 2017). Cornelia und Mark Meinhard haben vier Söhne. Zwei davon besuchen derzeit mit Begeisterung das Windsbacher Sängerinternat, einer davon singt auch schon seit einem guten Jahr im Reisechor – ebenfalls mit Begeisterung. In einem zweiteiligen Interview erzählten uns die Eltern, was Windsbach für sie, ihre Söhne und das Familienleben bedeutet.

Sie haben mit Finn (12) und Jens (fast 10) gleich zwei Söhne im Sängerinternat. Was hat Sie dazu motiviert?
 
Cornelia Meinhard: Wir haben dieses Vorsingen ausgemacht und waren uns anfangs doch etwas unsicher, ob „es reichte“ – vor allem das, was die Kinder an stimmlicher Vorbildung mitbrachten. Bislang haben ja eigentlich nur zuhause gesungen – und hier natürlich keine Endlos-Arien, sondern ein Morgenlied, mittags und abends als Tischgebet und als Abendlied, an Weihnachten dann natürlich mehr. Aber mehr gab es da, wo wir wohnten, eben auch nicht. Und dann haben wir gesagt: Wenn wir jetzt zum Vorsingen fahren, dann mit beiden und nicht erst ein Jahr später noch einmal.
 
Um unseren Lesern das kurz zu erklären: Sie haben vier Söhne, von denen anfangs Finn und Lars nach Windsbach gingen, Lars aber inzwischen wieder zuhause wohnt und sozusagen von Jens „abgelöst“ wurde.
 
Mark Meinhard: Das Vorsingen war im Jahr 2013, Lars war damals in der vierten und Finn in der zweiten Klasse, sie waren also fast zehn und acht Jahre alt.
 
Cornelia Meinhard: Beide haben bestanden, vielleicht nicht mit Bravour, aber sie sind „durchgekommen“. Dabei war Finn, der jüngere, vom Charakter her das Zugpferd. Und wir haben dann beschlossen, das mit Windsbach einfach zu versuchen.
 
Mark Meinhard: Unsere Motivation bestand auch ganz klar darin, dass in Windsbach eben nicht nur gesungen wird, sondern dass dort auch Texte vermittelt werden. Das ist uns ebenfalls wichtig. Wir sind also vom Konzept des Windsbacher Knabenchores angetan und glauben, dass hier eine Bildung weitergegeben wird, die einen umfassenden Charakter hat. Und das geht in einem Hochleistungs-Chor anders, als wenn wir unsere Kinder einmal in der Woche irgendwo singen lassen.
 
Cornelia Meinhard: Zwei Söhne auf einmal haben wir nach Windsbach geschickt, weil wir davon überzeugt waren und sind, dass es zu zweit sicherlich etwas leichter ist. Beide waren vom Probe-Wohnen im Internat sehr angetan, wobei Finn eben richtig begeistert war und das auch artikuliert hat. Beide durften auch zusammen ins Zimmer ziehen, was sicherlich ebenfalls eine Erleichterung war. Windsbach und das Sängerinternat waren für uns durchaus Neuland, wir hatten das überhaupt nicht längerfristig geplant.
 
Wie sind Sie denn überhaupt darauf aufmerksam geworden?
 
Mark Meinhard: Der Windsbacher Knabenchor ist ja hierzulande nicht unbekannt und ein Cousin von mir war früher ebenfalls in Chor und Internat.
 
Cornelia Meinhard: Richtig darauf aufmerksam geworden sind wir über die Werbung, die immer in die Pfarrämter geschickt wird. Und über einen der Informationsabende, den die Windsbacher regelmäßig in Nürnberg anbieten. Bevor wir zum Vorsingen gefahren sind wollte ich einfach mal Atmosphäre schnuppern. Angenehm fanden wir dann übrigens, dass hier keine Hundertschaften kamen und nicht wie in einem Assessment-Center aussortiert wurde; das wäre für Kinder doch eher eine Zumutung, wenn sie da zwischen den vermuteten Erwartungen der Eltern und der schließlich erreichten Leistung hin- und herpendeln würden.
 
Wie haben Sie das Vorsingen erlebt?
 
Mark Meinhard: Nett, sehr nett. Wir haben bei Herrn Lehmann vorgesungen; das war durchaus anspruchsvoll und überhaupt nicht schematisch. Es wurde abgefragt, ob man Töne und Stimmungen einordnen kann, ob man dem folgen kann, was der Chorleiter vorgibt. Das alles war aber sehr freundlich, sehr wertschätzend und positiv. Die Kinder waren natürlich aufgeregt, aber eigentlich erlebte man das in einer sehr angenehmen Stimmung.
 
Nun hat das mit dem Vorsingen ja geklappt, weswegen wir mal den Sprung von der Vergangenheit ins Jetzt wagen. Auch hier kurz zur Erklärung: Cornelia Meinhard ist evangelische Gemeindepfarrerin im mittelfränkischen Georgensgmünd, ihr Mann ist ebenfalls Pfarrer und arbeitet als Religionslehrer an einer Nürnberger evangelischen Schule. Was bedeutete und bedeutet Windsbach für Ihr Familienleben? Sie waren anfangs zu sechst, dann nur noch zu viert, weil Lars und Finn ja nun in Windsbach wohnten.
 
Cornelia Meinhard: Lars war anderthalb Jahre in Windsbach, hatte aber organische Probleme mit den Stimmbändern, weswegen irgendwann klar wurde, dass das mit ihm und Windsbach, vor allem aber dem Singen im Chor, nichts werden würde.
 
Mark Meinhard: Ja, aber erst mal waren die beiden in Windsbach. Und das bedeutete für das Familienleben, dass dieses einerseits im Alltag unter der Woche entspannter, an den Wochenenden dann aber natürlich umso intensiver empfunden und gelebt wurde. Das schlug sich vor allem im Organisatorischen nieder: Am Wochenende mussten die Jungs abgeholt werden, es musste mal was hinterhergebracht werden, die ganzen Arzttermine waren zu vereinbaren. Die Einflüsse auf das Familienleben lassen sich also weniger in Gewinn oder Verlust ausdrücken, sondern sind eher in Amplituden messbar – das hat sich aber immer ausgeglichen. Was das emotionale Familienleben betrifft, war es schon interessant und wichtig zu sehen, dass man den Alltag von Lars und Finn – und jetzt Jens und Finn – nicht mehr so mitbekommt, sondern eben geballt an den Wochenenden. Gleichzeitig muss man natürlich aufpassen, dass die Kinder, die zuhause leben, dabei nicht ins Hintertreffen geraten. Hier ist also durchaus ständig die Balance zu halten.
 
Cornelia Meinhard: Wir sind jetzt vielleicht nicht die klassischen Sehnsuchtseltern und unser beruflicher Alltag nimmt uns auch derart in Anspruch, dass wir nicht jede freie Minute darüber nachdenken, wie es den Söhnen jetzt gerade in Windsbach geht. Da sind wir aber auch sehr vertrauensselig und haben das Gefühl, dass sie sich dort sehr wohl fühlen. Außerdem merken wir, dass die beiden dort viel mitbekommen, was sie in der Familie zuhause nicht geboten kriegen; da gehört sicherlich schon früh eine gewisse Selbstständigkeit dazu. Und das ist schon klasse.
 
Alles also so, wie erhofft und erwünscht?
 
Cornelia Meinhard: Emotional belastend fand ich, als Lars sich dann aus den erwähnten Gründen in Windsbach eher schwer tat. Da tat er einem schon wirklich leid und man machte sich Gedanken, ob das nur eine kurze Erscheinung ist und wieder wird. Es hilft sicherlich nicht, wenn man dann immer danebensteht, aber es stellte sich schließlich doch die Frage nach der Perspektive, die Lars in Windsbach hat. Obwohl wir hier einiges versucht hatten, erwies sich seine Stimme für eine Karriere im Chor leider als nicht belastungsfähig genug. Windsbach sozusagen nur von der Zuschauerbank mitzukriegen macht ja dann auch keinen Sinn.
 
Lars kam also wieder nach Hause und jetzt ist neben Finn auch Jens in Windsbach. Das ist spannend: Wollte Jens irgendwann auch nach Windsbach oder wie kam es zu diesem „Wechsel“?
 
Mark Meinhard: Jens hat sich angeschaut wie das da läuft und dann ganz klar gesagt: Das will er auch. Natürlich ist Windsbach immer ein Thema in unserer Familie, aber wir haben Jens nie gedrängt oder dafür geworben: Er wollte das von sich aus probieren, relativ kurzfristig. Er hat dann auch das Vorsingen erfolgreich absolviert. Er ist jetzt mit Begeisterung dabei und hat das auch ganz klar artikuliert – schauen wir mal, wie sich das entwickelt.
 
Zwei Kinder zuhause, zwei im Internat – und damit ja auch in der pädagogischen Obhut anderer Menschen. Wie fühlt sich das für Sie als Eltern an? Ist es leicht, das abzugeben?
 
Mark Meinhard: Natürlich ist manches anders, als wir das zuhause machen würden. Aber grundsätzlich halten wir viel von dem dort realisierten pädagogischen Konzept, halten es für gelungen und glauben, dass die Erzieher dort die Kompetenz haben, das entsprechend umzusetzen. In Windsbach werden richtige und wichtige Inhalte vermittelt und das Leben in der Gruppe, in dieser tollen Gemeinschaft, schweißt sicherlich zusammen.
 
Cornelia Meinhard: Wir sind echt davon überzeugt, dass in Windsbach wirklich gut mit den Kindern umgegangen wird. Und die Erfahrungen in der Gruppe sind auf jeden Fall ein Plus, das ein Elternhaus einfach nicht bieten kann. So ganz enge Eltern-Kind-Beziehungen, die alles dominieren, sind in unseren Augen ohnehin nicht der Weisheit letzter Schluss, um das mal vorsichtig auszudrücken. Windsbach erinnert mich ein bisschen an die Zeit, in der wir selbst aufgewachsen sind: in unterschiedlichen Altersgruppen, unter denen es auch mal Reibereien gab; das gibt es ja heute kaum mehr, dass Kinder so miteinander groß werden und so viel miteinander zu tun haben. Das, was ein Internat hier bieten kann, ist also mindestens genauso wertvoll wie das, was ein Kind ein einem „normalen“ Elternhaus erfährt.

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