Auf einer Wellenlänge

WINDSBACH (4. Juli 2019). Anfang April nahmen die Windsbacher mit dem Perkussionisten Simone Rubino ihre neue CD „Water & Spirit“ auf. Und zur diesjährigen ION konzertierte man zusammen mit diesem Programm. Im Interview berichtet der Künstler davon, wie er diese Zusammenarbeit erlebt hat.


Herr Rubino, was bedeutet es für Sie, Musik zu machen?
 
Musik ist für mich in erster Linie Kommunikation. Und Interpretation. Dadurch kann ich Menschen, die zuhören, positiv beeinflussen. Ich sehe Musik als Mischung aus Klang, Kreativität und Emotion. Wenn alle diese Komponenten zusammenkommen, kann Großartiges entstehen. Bei mir spielt natürlich auch die Bewegung eine große Rolle. Es hängt alles miteinander zusammen.
 
Sie haben für Ihre Kunst zuvor ja das Spielen mit dem Schlagwerk erlernt. Warum ist es für die Entwicklung eines Menschen hilfreich, ein Instrument zu erlernen?
 
Weil man mit der Musik so unglaublich erfinderisch sein kann. Mein Instrumentarium ist ja sehr flexibel, was die Form betrifft. Ich habe Stöcke, ich habe Metall, ich habe Platten. Doch ich muss spielen, um dem Ganzen einen Klang zu geben. Ich muss kreativ werden. Und es gibt so unglaublich viele Möglichkeiten! Musik ist ja eine Sprache, die man erlernt und die jeder verstehen kann. Durch die technische Entwicklung wird außerdem das Leben ganz allgemein viel weniger physisch erfahrbar, man ist mehr gestresst. Das Spielen auf einem Instrument kann hier viel ausgleichen.
 
Sie haben als Kind bereits im Chor gesungen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
 
Ganz tolle! Wir hatten unglaublich viel Spaß miteinander und haben zusammengehalten wie eine Sportmannschaft. Ich habe hier viele Freunde gefunden, ja fast eine zweite Familie. In einem Chor singen Menschen, die das gleiche Ziel, das gleiche musikalische Verständnis haben. Man ist auf einer Wellenlänge. Und man kann zusammen so viel Tolles lernen und kennenlernen. Ich habe ja in einem Kinderopernchor gesungen, wo ich bereits in jungen Jahren großartige Regisseure, Sängerinnen und Sängern erleben durfte.
 
Heute singen Sie Melodien, bevor Sie sie auf Ihrem Instrument spielen. Warum?
 
Die Stimme ist unser natürliches Instrument, ja das natürlichste überhaupt. Sie ist Teil unseres Körpers und äußert sich in Sprache und Gesang, Ton und Wort. Manche Ideen sind einfach leichter zu verstehen, wenn man sie singt, als wenn man sie gleich mit Stock und Boden versucht umzusetzen. Und ein kleines Lied hat ja auch etwas Intimes, weniger Abstraktes. Durch das eigene Anstimmen der Melodien kann man Linien und Phrasierungen viel besser begreifen.
 
Sie haben mal gesagt, Sie möchten Ihren Instrumenten das Singen beibringen. Wie darf man sich das bei einem Schlagzeug vorstellen?
 
Auch ein Schlagzeug kann durch die Vibration natürlich singen. Sobald unser Körper organisch mit dem verbunden ist, was man spielt, merkt man gar nicht, was er spielt: Alles ist eins, Instrument und Interpret sind in Harmonie, wodurch er es singen lassen kann. Gerade das Spiel auf dem Schlagzeug ist ja reine Körpersprache, der „Gesang“ breitet sich durch die Schwingungen aus, die das Gegenüber erreichen.
 
Für Proben und die Aufnahmen haben Sie ja einige Zeit mit den Windsbachern verbracht. Wie war das für Sie?
 
Das war für mich wie ein Zurückkehren in den Chor meiner Kindheit! Wir haben ja alles zusammen erlebt: gemeinsam gefrühstückt, geprobt, musiziert und aufgenommen. Auch die Unterhaltungen in den Pausen waren schön. Genau diese Stimmung habe ich vor 15 Jahren so sehr genossen. Und es hat mich natürlich sehr beeindruckt zu sehen, was die Jungs können!
 
Wie haben Sie die Zusammenarbeit auch mit Martin Lehmann erlebt?
 
Mit viel positiver Energie und Empathie. Wir haben diese Zusammenarbeit sehr genossen. Martin ist ein großartiger Musiker und als Persönlichkeit ganz anders als ich. Das hat uns gegenseitig andere Perspektiven eröffnet. Er hat einen riesigen Erfahrungsschatz in der Arbeit mit Stimmen und Chören und kann das auch gut mitteilen. Manchmal hatten wir verschiedene Vorstellungen vom Klang, aber das konnten wir dann gemeinsam entwickeln.
 
Und wie beurteilen Sie ganz persönlich die Leistung der Jungs?
 

Sensationell! Ich hatte nie das Gefühl mit Kindern zu arbeiten. Das sind wirklich alles bereits hochqualifizierte Sänger mit einer beachtlichen künstlerischen Disziplin.