„Ein echtes Konzertglück“

WINDSBACH (6. Dezember 2016). Liest ein Windsbacher in einem Konzertprogramm, dass der Solist des Abends schon auf dieser oder jener berühmten Bühne aufgetreten ist oder mit herausragenden Orchestern musiziert hat, darf er das nicht ohne Stolz als Gemeinsamkeit verbuchen, denn auch in seiner Knabenchor-Karriere trifft er immer wieder auf exquisite Partner.  Die diesjährige Tournee mit Bachs Weihnachtsoratorium gestalten die Windsbacher mit dem Kammerorchester Basel.
 
1984 gründete sich das Ensemble aus Absolventen verschiedener Schweizer Musikhochschulen unter dem Namen „Serenata Basel“, 15 Jahre später folgte dann die Umbenennung in Kammerorchester Basel. Einer der Schwerpunkte ist das Spiel barocker Musik auf alten Instrumenten, wobei die historisch informierte Aufführungspraxis gepflegt wird. Allerdings ist das Orchester auch neuer Musik gegenüber offen und vergibt jährliche Kompositionsaufträge.
 
Dreimal ECHO-Klassik-Preisträger
Drei Mal errang der Klangkörper in der Vergangenheit den begehrten ECHO-Klassik und gehört heute mit zu den profiliertesten Orchestern seiner Art, das aktiv das internationale Musikleben mitgestaltet. Aber auch am Stammort Basel ist man mit einer eigenen Konzertreihe präsent – und natürlich mit einer stattlichen Anzahl spannender CD-Produktionen am Markt, wobei man mit diversen namhaften Labels wie der deutschen harmonia mundi, Deutsche Grammophon, Warner Classics oder Sony zusammenarbeitet. Hier hat das Orchester beispielsweise die Sinfonien 3 bis 8 Ludwig van Beethovens eingespielt – Nr. 1 und 2. sind, ebenfalls unter der Leitung von Giovanni Antonini, bei Oehms Classics erschienen.
 
Auch wenn klar ist, dass ein veröffentlichter Pressespiegel nur die Sahnehäubchen serviert, lässt sich doch an den Reaktionen der Rezensenten die Begeisterung ablesen, die das Kammerorchester Basel immer wieder hervorruft. Von „echtem Konzertglück“ ist da die Rede, von einem „mit Musik vergoldeten“ Konzertabend, von einem „furiosen Feuerwerk voller Brillanz“, von „permanenter Hochspannung“ oder „transparenten Klangfarbenlandschaften“. Oder um es mit den Worten eines Kritikers zusammenzufassen: „[Es] war mit einem Wort: atemberaubend. Die Musik fing an zu leuchten und zu blühen.“
 
Grenzen überschreiten
„Wir wollen ein innovatives, künstlerisch unabhängiges und kreatives Spitzenensemble sein. Mit unserer Liebe und Passion für die Musik gehen wir neue Wege, überschreiten Grenzen und begeistern unser Publikum. Unser eigenes, historisch orientiertes Klangbild entwickeln wir ständig weiter“, heißt es als Vision im ausformulierten Leitbild des Orchesters. Ziel seien dabei „musikalische Sternstunden auf höchstem Niveau für ein neugieriges Publikum, bei dem die Grenzen zwischen Jung und Alt aufgehoben sind“. Jedes Konzert werde zum einmaligen und gemeinsamen Erlebnis, wenn es „zwischen Orchester und Publikum einen Funkenflug“ gebe.
 
Damit dies geschieht, arbeitet man als „selbstbestimmte Organisation mit Individualisten, die auch als Teamplayer stark sind“ und funkt dabei auch künstlerisch auf einer Wellenlänge: „Wir verstehen Musik als direkte Sprache der Leidenschaften. Mit unserem breiten Repertoire, das wir sowohl auf historischem wie auch modernem Instrumentarium erarbeiten, suchen wir nach neuen und weiterführenden Wegen der Interpretation. Der Anspruch höchster musikalischer Qualität ist unsere gemeinsame Herausforderung.“
 
Exzellente Solisten und Dirigenten
Hierfür arbeitet das Kammerorchester Basel mit begeisterten wie begeisternden Dirigenten zusammen. So wird der Name Martin Lehmann als Leiter des Windsbacher Knabenchores zukünftig neben anderen klangvollen Künstlern wie Trevor Pinnock, Heinz Holliger und Paul Goodwin stehen. Oder eben auch Giovanni Antonini, unter dessen Leitung die Baseler im Wechsel mit dem italienischen Spitzenorchester „Il Giardino Armonico“ bis ins Jahr 2032 sämtliche 107 Sinfonien Joseph Haydns einspielen werden.
 
Beachtlich ist auch die Liste der Namen exzellenter Solisten, die immer wieder die Zusammenarbeit mit dem Baseler Kammerorchester suchen: Sabine Meyer (Klarinette), Thomas Zehetmair (Violine), Emmanuel Pahud (Flöte), Matthias Görne (Bass) oder Andreas Scholl (Altus); der Countertenor, der mit dem Klangkörper vor sechs Jahren Bach-Kantaten aufnahm, hat seine musikalischen Wurzeln übrigens ebenfalls in einem Knabenchor: den Kiedricher Chorbuben.
 
Mit Begeisterung widmen sich die Orchestermitglieder neben ihren konzertanten Verpflichtungen auch diversen Projekten im Bereich der musikalisch-pädagogischen Nachwuchsförderung. So ist das Kammerorchester Basel während einer Konzertsaison im Schweizer Gymnasium Muttenz Gast für drei Projekte, die man komplett im gläsernen Foyer der Schule erarbeitet: „Jugendliche erleben die musikalische Arbeit eines Orchesters hautnah, recherchieren Werkhintergründe, moderieren Proben, bekommen über Praktika Einblick in die künstlerische Dramaturgie und die betriebswirtschaftlichen Hintergründe eines international erfolgreichen Ensembles. Sogar eines unserer Konzerte in Basel organisieren sie mit“, heißt es seitens der engagierten Musiker.
 
Dialog und Begegnung
Dialog und Begegnung sind bei diesen Projekten von zentraler Bedeutung, denn die Jugendlichen lernen die professionelle Welt der Musik kennen, umgekehrt erhalten die Musikerinnen und Musiker auch einen Einblick in die Erlebniswelten der Schülerinnen und Schüler. Ein weiteres Angebot sind die „Klassenzimmerstücke“ als inszeniertes Konzert in der Schule, das entsprechend umgesetzt wird. Thema sind beispielsweise entsprechend für eine kammermusikalische Besetzung bearbeitete Geschichten aus dem „Struwwelpeter“.  Dabei wird die jeweilige Schulklasse – das Angebot richtet sich an die Altersstufen zwischen sechs und zwölf Jahren – aktiver Teilnehmer des Geschehens, wenn die Kinder kleinere Rollen in den Geschichten übernehmen, indem sie einen Refrain singen oder Geräusche imitieren. Vor der Aufführung findet ein musikalischer Workshop mit den Kindern statt, danach folgt ein Gespräch mit den Musikerinnen und Musikern.
 
Als Kooperation steht das Kammerorchester Basel dem Chor des Gymnasiums Muttenz als musikalischer Partner zur Verfügung, wenn im Juni 2017 Arthur Honeggers Kantate „La Danse des Morts“ aufführen wird: „Es ist uns ein Herzensanliegen, außerhalb des Konzertsaales Menschen für die Musik zu begeistern und inspirierende Begegnungen zu ermöglichen – mit Jung und Alt, unabhängig von sozialen und kulturellen Hintergründen. Wir möchten Räume öffnen, in denen sich unsere Musikerinnen und Musiker mitten in der Gesellschaft bewegen. Unsere Projekte sollen zu gemeinsamem Musizieren und Hören verführen, zu Entdeckungen und zum Austausch, gemeinsam mit Freude und Leidenschaft!“
 
Das wird sicherlich auch mit dem Bachschen Weihnachtsoratorium gelingen, das die Windsbacher mit dem Kammerorchester Basel am 15. Dezember in der Nürnberger Friedenskirche, am 17. in der Martinskirche Basel, am 18. in der Tonhalle Zürich, am 19. in St. Gumbertus Ansbach, am 20. in der Zeppelinhalle Friedrichshafen und am 22. im Concertgebouw Amsterdam musizieren.
 
[Foto: Heike Kandalowski]