„Die wichtigste und höchste Säule“

WINDSBACH (9. Juli 2017). Die diesjährige Mitgliederversammlung der Fördergesellschaft war eine besondere: Zum einen kann man heuer – durchaus stolz – auf 50 Jahre des Bestehens zurückblicken; zum anderen wurde ein neuer Vorstand gewählt.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ Mit diesen Worten begrüßte Dr. Jochen Heinzelmann als Vorsitzender die Freunde und Förderer im Betsaal des Sängerinternats: „Danke für Ihre Mitgliedschaft!“ Die Treue der Unterstützer sei sicher das überzeugendste Argument, warum man seit fünf Dekaden den Chor unterstützen könnte, berichtete der Anwalt aus seiner beruflichen Praxis, in der er auch mit Insolvenzen zu tun habe: „50 Jahre – das schaffen nicht viele Firmen und Vereine.“
 
„Großer Tag des Dankes und des Jubels“
Als erster ergriff Martin Lehmann als Künstlerischer Leiter des Windsbacher Knabenchors das Wort. Auch für ihn sei der Tag der Mitgliederversammlung, an die sich ja ein großes Festkonzert auf Schloss Dennenlohe anschloss, ein „großer Tag des Dankes und des Jubels“. Das Engagement der Fördergesellschaft sei „das A und O“ für die Arbeit in Windsbach: „Das zeigt: Der Windsbacher Knabenchor ist es Ihnen wert“, dankte der Dirigent auch den ehrenamtlich wirkenden Vorstandsmitgliedern: „Lebenszeichen von Menschen, die uns und unsere Arbeit unterstützen, die viel Zeit und Herzblut investieren.“
 
Nach der Saison 2015/2016, in der der Chor (auch dank der Fördergesellschaft) sein 70-jähriges Bestehen feiern konnte, begann die laufende Saison mit Bachs h-moll-Messe, mit der sie auch enden wird und mit der der Chor durch Spanien und nach Italien reiste. Es sei wohl das schwierigste und aufwändigste Werk sowie eine große Herausforderung an den Chor; und eine logistische Herausforderung, immer eine herausragende Besetzung an Knaben- und Männerstimmen an der Hand zu haben, betonte Lehmann: „Ich habe hier größten Respekt vor dem Chor!“ A-cappella-Konzerte sowie sechs Aufführungen von Bachs WO und natürlich Konzertprogramme mit Reformationsprogrammen (und hier Anfang Juni ein besonderes mit Werken fränkischer Komponisten in Nürnberg) hätten die Saison geprägt. Gerade letzteres stellte für Lehmann einen besonderen Akzent dar.
 
Weiterhin arbeitet man in mehreren „Klangfänger“-Gruppen neben Windsbach auch in Nürnberg, Rothenburg und Pappenheim an der Nachwuchsgewinnung. Bei einem erfolgreichen „Tag der offenen Tür“ waren 80 interessierte Jungs mit ihren Eltern nach Windsbach gekommen: „Wir brauchen jedes Jahr 25 bis 30 neue Sänger“, sagte Lehmann und beschrieb die Situation im Vergleich zu früher als schwieriger. Aber: „Wenn wir dann trotzdem so tolle Leistungen erbringen wie in der Vergangenheit, dann ist das schon erstaunlich und beachtlich.“
 
Chorzentrum wird saniert
Erschwerend hinzu käme momentan die bauliche Situation auf dem Internatscampus: das Chorzentrum wird von Grund auf saniert und steht daher nur noch der Verwaltung zur Verfügung. Stimmbildung, Übungsräume und Instrumentalunterricht sind derzeit in die Wohngebäude ausquartiert, der Chor probt in der Tuttibesetzung in der Stadthalle, wohin ein fünf- bis zehnminütiger Fußmarsch nötig ist. Doch auch wenn es schwierig sei: „Wir haben die Energie, das durchzustehen“, gab sich Lehmann optimistisch und verwies auf die zukünftige, sehr viel bessere Raumsituation im dann „neuen“ Chorzentrum.
 
Dennoch wird auch die Saison 2017/2018 anspruchsvoll werden – wenn auch etwas ruhiger als die zuvor: A-cappella-Konzerte, Weihnachtskonzerte, Bachs Weihnachtsoratorium und im Sommer 2018 dann erneut ein Projekt mit den Berliner Kammervirtuosen unter anderem mit Bachs Himmelfahrtsoratorium (BWV 11) und der Kantate „Gott fähret auf mit Jauchzen“ (BWV 43).
 
Nach dem Rück- und Ausblick des Dirigenten knüpfte Internatsdirektor Thomas Miederer an die Ausführungen zum Thema Umbau an, dem er durchaus etwas Positives abgewinnen könne: Dadurch, dass manches, was zuvor im Chorzentrum stattgefunden habe, jetzt in die Nähe der Wohnebereiche gerückt sei, werde deutlich, wie eng eigentlich alles miteinander verwoben sei. „Da ist etwas näher zusammengerutscht.“
 
Leicht sinkende Schülerzahlen
Apropos Wohnen: Erstmals ist man im zu Ende gehenden Schuljahr mit 93 Schülern „zweistellig“ geworden; zwar seien die Tagesheimschüler leicht angestiegen, doch für den Internatsbetrieb sei das durchaus ein Alarmzeichen, denn weniger Schüler seien nicht nur schwierig für den Chor, sondern auch für die wirtschaftliche Situation des Hauses. „Hoffentlich ist das nur ein Ausrutscher und keine Tendenz.“ Da käme es Chor und Internat zugute, dass heuer mit nur sechs (und davon leider zwei erfolglosen) Abiturienten ein im Vergleich vor zwei Jahren mit 27 Abgängern geringerer Aderlass zu verzeichnen sei.
 
Die personelle Situation im Internat ist unverändert – auch dank der Fördergesellschaft, die auch im bald vergangenen Schuljahr eine Praktikantenstelle finanziert hat. Erstmals wird nach den Sommerferien ein Mitarbeiter beschäftigt, der seinen Bachelor als Erzieher bereits in der Tasche hat und nun im Fernstudium seinen Master machen will. Ferner werden in Windsbach eine Praktikantin ihr Anerkennungsjahr absolvieren und ein Praktikant aus den USA tätig sein.
 
„Chorklassen sind ein Segen“
Zur immer wieder angesprochenen chorisch-schulischen Belastung lobte Miederer die Chorklassen des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums, in denen die Sänger der Jahrgangsstufen 5 bis 10 in eigenen Klassenverbänden unterrichtet würden und so Rücksicht auf die Belange des Knabenchores genommen werden könne: „Das ist ein Segen, da wird ganz viel getan, dass die Jungs das schaffen.“
 
Den Tätigkeitsbericht des Vorstands fasste Dr. Heinzelmann wie folgt zusammen: Drei Mal habe sich der Vorstand in Windsbach getroffen, stets in Kooperation mit Internat, Chor und Chormanager Delf Lammers. Hier werde die stets unbürokratische und schnelle Arbeitsweise der Fördergesellschaft („auf Zuruf“) geschätzt wie genutzt. Neben einer Chorfreizeit Anfang des Schuljahrs in Pappenheim, wo neben intensiven Proben für Bachs h-moll-Messe in verschiedenen Freizeitaktivitäten auch der Teamgeist im Chor gefestigt worden sei, hätten alle Kräfte an der Organisation des Jubiläumskonzerts mitgearbeitet.
 
Neben dem Ehrenvorsitzenden Dr. Wolfram Schneider wurden für ihr Engagement vor allem Gaby Haupt (Sekretariat) und Herbert Pfister für die Organisation der erfolgreichen Begleitreise nach Turin gelobt. Wichtigstes Projekt der Fördergesellschaft waren auch im vergangenen Jahr die Stipendien für Schüler, deren Eltern das Internatsgeld nur teilweise oder gar nicht finanzieren können. Laut Internatsdirektor Miederer sei vor allem diese Leistung der Fördergesellschaft „überlebenswichtig für Haus und Chor“.
 
Sechsstellige Unterstützung
In Zahlen drückte Schatzmeister Jürgen Leinberger das vergangene Geschäftsjahr aus: Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2016 habe die Fördergesellschaft bei Einnahmen von 99.737,60 Euro, die sich aus Beiträgen und Spenden (auch von Nichtmitgliedern) oder dem Verkauf von Werbemitteln ergeben hätten, den Chor mit 110.984,33 Euro unterstützt, wobei man hierfür auf ausreichende Rücklagen zurückgegriffen habe. Einzelne Posten waren unter anderem neben den Stipendien die Finanzierung der erwähnten Praktikantenstelle, die Chorfreizeit, das Choressen, die Abigeschenke, Druck und Versand des Magazins sowie Verwaltungskosten. Die Kassenprüfung ergab keine Auffälligkeiten.
 
Turnusgemäß wurde in dieser Mitgliederversammlung auch ein neuer Vorstand gewählt, bzw. im Amt bestätigt. Einzig der bisherige stellvertretende Vorsitzende Peter Heckel, der das Gremium in den Jahren 2006 bis 2011 geleitet hatte, trat aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl an – im folgt, wie alle anderen Mitglieder einstimmig gewählt, David Wieberneit, von 1980 bis 1991 selbst Sänger des Windsbacher Knabenchores. Der amtierende Vorstand setzt sich demnach aus folgenden Personen zusammen. Dr. Jochen Heinzelmann (Vorsitzender), David Wieberneit (1. Stellvertreter), Prof. Dr. Margarete Klinger (2. Stellvertreterin), Jürgen Leinberger (Schatzmeister) und Klaus Schneider (Schriftführer).
 
In abschließenden Worten betonte Dr. Heinzelmann mit Nachdruck an die an- (und ab-) wesenden Mitglieder gewandt: „Der Erfolg des Windsbacher Knabenchores ruht zum Glück auf mehreren Säulen. Die breiteste und höchste aber ist und bleibt seit nunmehr 50 Jahren die Fördergesellschaft, weil sich in ihr viele einzelne Mitglieder für den Chor engagieren. Und jede und jeder Einzelne davon ist gleich wichtig! Ohne die Fördergesellschaft [in der der Vorsitzende gerne jedes ehemalige Chormitglied begrüßen würde, Anm. d. Red.] gäbe es die Windsbacher nicht mehr.“