Making-of von „Mein Tag als Windsbacher“

WINDSBACH (7. Juni 2019). Die große Herausforderung an Martin Lehmann (und an jeden anderen Knabenchorleiter) ist das Arbeiten mit ständig neuen Stimmen, denn anders als in Ensembles mit kaum wechselnder Besetzung sorgt der Stimmbruch immer wieder für einen Personaltausch in den Registern. Doch nicht nur chorisch erleben die Windsbacher steten Wechsel. Auch medial gehen die Jahre nicht spurlos am Knabenchor vorbei: Der Werbefilm, der gestern noch modern war, ist bald angestaubt und morgen längst nicht mehr up to date. Um hier auf der Höhe der Zeit zu sein drehten die Windsbacher jetzt den neuen Imagefilm: „Mein Tag als Windsbacher“. Hier ist das Making-of.

„Erst wollten wir eine relativ kurze, knackige Montage oder Collage aus den verschiedensten Facetten des Chorlebens machen: also Singen, Spielen, Reisen, Lernen, Essen, Schlafen“, erklärt Jelena Torbica, bei den Windsbachern zuständig für Kommunikation und Marketing. Dann dachte man an einen Film, der speziell bei den Vortragsabenden für die Nachwuchswerbung eingesetzt werden sollte. Was zum Gedanken führte, dass der Beitrag eine noch persönlichere Note haben müsste: „Die Eltern und potentiellen Nachwuchssänger, die den Film zu sehen bekommen, sollen sich direkt mit dem Chorleben identifizieren können.“
 
Da nichts langweiliger ist und mehr zum Ab- bzw. Umschalten verleitetet als ein schlecht gemachter Film, war klar, dass der Windsbacher Beitrag nur von einem Profi erstellt werden sollte. Hierfür konnte man Stefan Kleeberger gewinnen: Der freie Videojournalist und Filmemacher startete seine Karriere als Kameramann und Cutter, arbeitete als EB- und Studiokameramann bei RTL Franken Life und Franken Fernsehen in Nürnberg und studierte parallel an der Hochschule Ansbach Journalismus, Fernsehtechnik und Neue Medien. Dort wirkt er seit 2016 auch als Lehrbeauftragter. Im Freiberuf entwickelt, dreht und schneidet er Imagefilme, Reportagen, Webcasts, Kurzfilme und Dokumentationen. Zu seinen Kunden zählten neben kulturellen Einrichtungen wie die Stadttheater in Fürth und Nürnberg Unternehmen wie Audi, Siemens, Adidas oder Puma.
 
Und der Windsbacher Knabenchor: Da er schon seit mehreren Jahren immer mal wieder für den Chor tätig war und auch 2016 die filmische Dokumentation der Romreise verantwortete (für den Bayerischen Rundfunk entstand dabei ein Beitrag zum Papst-Besuch), war er mit dem Anforderungsprofil an einen entsprechenden Imagefilm durchaus vertraut. Beste Voraussetzungen also für ein stimmiges Ergebnis: Zusammen wurde die Idee für den Beitrag entwickelt und in Abstimmung mit den Verantwortlichen aus Chor, Internat und Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium kooperativ realisiert.
 
Ausschlaggebend waren hier die Auswahl der Protagonisten und das Drehbuch: Was soll erzählt werden? Und wie? Und vor allem: Wer kann das überzeugend rüberbringen? Hinzu kam ein äußerst knappes Zeitbudget: Da der Alltag der Chorsänger straff organisiert ist und natürlich nur ein Mime aus den Reihen der Windsbacher in Frage kam, musste alles effizient über die Bühne gehen und im Vorfeld entsprechend aufwändig geplant werden. Für den Dreh standen zwei Nachmittage zur Verfügung.
 
Als Erzähler empfahl sich der elfjährige Laurin: Im Film lässt er den Betrachter an seinem Alltag teilhaben – vom Aufstehen über Zähneputzen, Frühstück, Chorandacht, Unterricht in der Schule, Mittagessen („Am liebsten mag ich Fleischpflanzerl!“), Freizeit mit Sport und Spiel, Studierzeit Instrumentalunterricht und Stimmbildung, Chorprobe und Abendessen sowie Freizeit bis zum Bettgang. Fazit: „Keine Zeit für Heimweh, denn hier ist immer was los!“
 
Auf seiner Homepage bietet Stefan Kleeberger an, durchaus auch mit einem ganzen Trupp zu drehen – hier war Laurin selbst das Team: Die Szenen wurden mit einer einfachen GoPro-Actionkamera gedreht, die der junge Sänger auf dem Kopf trug. Das bewirkte nicht nur eine authentische Blickweise, sondern auch eine personelle Synergie, denn Laurin war Hauptdarsteller und Kameramann in einem. Und laut Kleeberger hat er das prima gemacht. Durch die sehr genaue Vorbereitung des Windsbacher Imagefilms – das Drehbuch, also alle Filmbilder sowie der dazu passende Text, wurde genau ausgearbeitet – ging auch der Schnitt dann relativ schnell.
 
Information am Rande: Die GoPro-Actionkamera wurde Anfang der 2000er-Jahre von Nick Woodman entwickelt, der ursprünglich spektakuläre Aufnahmen vom Surfen produzieren wollte. Hier sah er eine Marktlücke für preislich akzeptable Kameras, die auch Nichtprofis hochwertige Aufnahmen von sportlichen Aktivitäten ermöglichen sollten. Daraus entstand das Unternehmen GoPro, wobei sich der Name aus den englischen Wörtern go und professional zusammensetzt: Werde professionell – was ja in gewisser Weise durchaus auch als Motto über der Arbeit des Windsbacher Knabenchors steht.
 
Vom filmischen Ergebnis sind Stefan Kleeberger und seine Auftraggeber in Windsbach begeistert: „Die Arbeit mit Laurin und den andern Jungs hat wirklich Spaß gemacht. Sie waren alle unglaublich engagiert bei der Arbeit und haben die Abwechslung sehr genossen. Was mich am meisten beeindruckt, ist Laurins Sprecherqualität: Er hat den Text auf Anhieb perfekt eingesprochen – inklusive richtiger Betonung und Pausen an den richtigen Stellen. Ein einziger kurzer Satz musste ein zweites Mal eingesprochen werden.“ Singen schult eben nicht nur die Stimmbänder.
 
Und ist man nicht auch auf der Bühne in gewisser Weise eine Art Darsteller? Wobei sich die dramatischen Freiheiten für Laurin in Grenzen hielten: „Wir hatten den Inhalt schon ziemlich genau festgelegt, um alle nötigen Bilder innerhalb von zwei Nachmittagen drehen zu können“, erklärt Stefan Kleeberger: „Dennoch war uns dabei wichtig, dass sich Laurin und die Jungs in allem wiederfinden konnten.“ So kamen auch immer wieder hilfreiche Anregungen, was man wie zeigen oder noch drehen könnte: „Bei aller Vorbereitung soll es ja auch authentisch bleiben.“ Auf seiner Homepage schreibt Kleeberger außerdem: „Mein Anspruch ist es Geschichten packend zu erzählen und dabei immer eindrucksvolle Bilder zu liefern.“ Beides ist ihm mit dem Film „Mein Tag als Windsbacher“ gelungen.
 
Dafür sprechen übrigens nicht nur das Interesse bei den Informationsveranstaltungen des Knabenchores: Der Film ist auf der Homepage des Chores sowie im eigenen Youtube-Channel zu sehen und wurde selbstverständlich auch auf Facebook veröffentlicht. Dort wurde er begeistert kommentiert, vielfach geteilt und bislang über 31.000 Mal angeschaut.