Wenn aus Fans Förderer werden

HEIDELBERG (4. Januar 2017). Der Knabenchor hat unzählige Fans – und einige davon drücken das in barer Münze aus, indem sie die Arbeit in Windsbach nach Kräften auch finanziell unterstützen. Einer davon hat ein Unternehmen in Heidelberg. Und er heißt: Dr. Schneider.
 
 
Sähe man nicht bereits am nebenstehenden Foto, welche Antwort mit Sicherheit die falsche ist, könnte man fast ein kleines Quiz daraus machen: Wie heißt der abgebildete Dr. Schneider, Förderer des Windsbacher Knabenchores, mit Vornamen? A: Wolfram, B: Michael, C: Jürgen oder D: Ulrich? Die richtige Antwort lautet: B – wobei Freunde des Chores wissen, dass der Name Schneider in Verbindung mit einem Doktortitel offenbar dazu einlädt, sich für die Windsbacher besonders einzusetzen…
 
Das tut Dr. Michael Schneider. Mit seinem in der elektronischen Archivierung und Softwareentwicklung tätigen Unternehmen arbeitet er so erfolgreich, dass er nicht nur vier Mitarbeiter beschäftigt, sondern aus den Erlösen (und damit aus seinem Privatvermögen) eine, wie man so schön sagt, „erkleckliche Summe“ für die Belange der Windsbacher einsetzen konnte. Dies geschah in Form einer Zustiftung im Rahmen der Stiftung Windsbacher Knabenchor.
 
Zustiftung als Unterstützung
Über den genauen Betrag schweigt des Sängers Höflichkeit, doch er war, so viel verrät der Spender dann doch, fünfstellig: „Ich möchte den Chor einfach unterstützen – und zwar zu Lebzeiten, wenn ich auch noch was davon habe“, erklärt Dr. Schneider sein Engagement. Die Zustiftung ist zweckgebunden: Aus den entsprechenden Erlösen des Stiftungskapitals soll der Instrumentalunterricht für besonders talentierte Windsbacher finanziert werden – auch und vor allem dann, wenn diese aus einem nicht allzu begüterten Elternhaus kommen.
 
Statt also eine eigene Dr.-Michael-Schneider-Stiftung zu gründen, erhöhte er das Kapital der vorhandenen Stiftung. Somit ersparte er sich den eigentlich nötigen Verwaltungsaufwand, der einen Teil der Spende nolens volens bereits verbraucht hätte, bevor diese Zinsen erwirtschaften kann. Dass das Ganze für den Unternehmer auch steuerliche Vorteile hat, will er gar nicht verschweigen, sondern vielmehr andere Fans der Windsbacher dazu ermuntern, seinem Beispiel zu folgen.
 
Investition mit „Spitzenrendite“
„Wenn ich im Freundeskreis davon erzählt habe, hat man mir immer großen Respekt erwiesen“, sagt Dr. Schneider und man merkt, dass er diesen eigentlich nur stellvertretend für die Jungs in Windsbach entgegennehmen will, die auch dank seiner großzügigen Spende zu Höchstleistungen fähig sind. Abgesehen von den niedrigen Zinsen, die man heute auf vielleicht Erspartes kriegt, juckt es einen dann doch, Dr. Schneider zu fragen, ob er sein Geld gewinnbringend angelegt sieht. Als Antwort hält er die neueste CD mit Bachs Weihnachtsoratorium hoch und fragt im Brustton der Überzeugung: „Ist das nicht eine Spitzenrendite?“ Dazu kämen die vielen Bekanntschaften über die Fördergesellschaft, das Erleben toller Konzerte.
 
Über den Silberling hat ihn sein Weg vor rund vier Jahren auch zu den Windsbachern geführt. Er hörte den Chor auf CD und war davon so begeistert, dass er sie sofort danach ein zweites Mal abspielte: „Das passiert mir sonst eher selten“, sagt Dr. Schneider, der den Chor besucht, wann immer er in erreichbare Nähe kommt. Zum Glück liegt Heidelberg nicht unerreichbar weit weg von Windsbach.
 
Sofort machte sich der neue Fan schlau, was das denn für ein Chor ist. Und vor allem: Wie kann man eine so tolle Arbeit unterstützen? Natürlich wurde er bald Mitglied der Fördergesellschaft – in einer spannenden Zeit: Martin Lehmann hatte gerade sein Amt als Künstlerischer Leiter des Windsbacher Knabenchores angetreten. In genau diese spannende Zeit fällt besagte Zustiftung, was beweist, dass der Stifter an die Zukunft glaubte, die er mit sichern helfen wollte.
 
Warum Knabenchor?
Warum gerade für einen Knabenchor? „Weil der Klang ein ganz besonderer ist“, sagt Dr. Schneider und verhehlt nicht, dass er auch gerne in Leipzig zu Gast ist: „Die Thomaner an Bachs Wirkungsstätte zu hören, ist ein tolles Erlebnis.“ Noch besser aber gefällt ihm, was die Windsbacher leisten: „Diese Schattierungen im Chor, die Bandbreite der Stimmen, die klangliche Fülle – besonders unsere Jungs finde ich hier faszinierend.“ Da Dr. Schneider selbst keine Kinder hat und Musik vor allem liebt, wenn sie von einem Knabenchor gesungen wird, musste er eigentlich nur noch eins und eins zusammenzählen, um zu wissen: „Hier will ich mich engagieren.“
 
Dr. Schneider weiß genau, welch großen Schatz er mit der Chormusik fördert, singt er doch selbst in zwei Ensembles: „Modern United“ musiziert, wie der Name schon verrät, eher neuere Musik; die Kantorei der Friedenskirche Heidelberg, neben dem Bachchor vor Ort der zweite, große vokale Klangkörper, widmet sich neben A-cappella-Werken vor allem oratorischen Stücken. Erst jüngst sang Dr. Schneider (als Bass I) das Requiem von Antonín Dvořák und die neunte Sinfonie von Ludwig van Beethoven.
 
Als Kind am Klavier ausgebildet nimmt der Unterstützer der Windsbacher aktuell Orgelunterricht und bereitet sich auf die C-Prüfung vor: „Ich will einfach mehr über die Musik wissen“, erklärt er. Und dazu gehört natürlich auch das Hören. Am liebsten natürlich: die Windsbacher. Auf die Reise der Fördergesellschaft nach Turin, wo er die Jungs dann mit Bachs h-moll-Messe hören wird, freut sich Dr. Schneider auf jeden Fall schon heute…