„Sie sind unheimlich wichtig für uns“

WINDSBACH (14. Juli 2019). Auf erfreulich großes Interesse stieß die diesjährige Mitgliederversammlung der Fördergesellschaft Windsbacher Knabenchor (FÖG) erst im Bet-, dann im Speise- und schließlich im Chorsaal des Sängerinternats: Information, Austausch und Musikgenuss gingen hier einmal mehr Hand in Hand.
 

Das erste Wort hatte Internatsdirektor Thomas Miederer, gehört sein Haus doch dank der Gewährung von Stipendien sowie der Finanzierung einer Praktikantenstelle zu einem großen Empfänger der FÖG-Zuwendungen. Er berichtete von einer stabilen Personaldecke, die allerdings „auf Kante genäht“ sei. Der pädagogische Stab vor Ort kümmert sich derzeit um 93 Internats- und 25 Tagesheimschüler, die mit einigen externen Sängern die derzeitige Chorstärke inklusive -vorbereitung und Mutanten bilden.
 
Miederer berichtete, dass die Stelle des Kaufmännischen Direktors aktuell für zwei weitere Jahre mit einer Interimskraft besetzt sei: Um die finanziellen Belange des Hauses kümmert sich derzeit Stefan Queißer. „Windsbach ist im Umbruch: baulich, personell und chorisch“, erklärte der Internatsdirektor. Weiterhin sei es schwer, Schüler für ein Leben im Internat zu gewinnen: Wo zuvor der familiäre Entschluss, bei Bestehen des Vorsingens nach Windsbach zu gehen, festgestanden habe, müsse heute seitens der Verantwortlichen in Chor und Internat mitunter große Überzeugungsarbeit geleistet werden. Zudem stünde dem Chor heuer ein großer Aderlass durch Weggang der Abiturienten und Realschüler bevor.
 
Das Engagement der FÖG sieht Miederer als eine Stütze des Internats- und Chorbetriebs: „Sie sind unheimlich wichtig für uns“, sagte er in Richtung des Auditoriums. Die Stipendien seien hier bei der normalen Internatsgebühr von monatlich 650 Euro der entscheidende Faktor. „Das Dankeschön wird jedes Jahr größer – genauso wie die Bitte: Bleiben Sie bei der Stange“, schloss Miederer seine Ausführungen.
 
Über das Leben im Chor berichtete Dirigent Martin Lehmann. Und auch er schloss sich gleich zu Beginn seinem Vorredner an: „Als allererstes den allergrößten Dank.“ Durch die Neubesetzung der Management-Selle mit Claudia Brinker im Oktober 2018 und der Entscheidung, Alexander Rebetge als Chorassistent für den Ende Juli in den Ruhestand gehenden Edwin Sowisch einzusetzen, habe man sich als Team wieder gut sortiert. Um die Chorvorbereitung und Stimmbildung wird sich ab dem kommenden Schuljahr als neue Kraft dann der junge Musiker Lukas Baumann kümmern.
 
Lehmann skizzierte kurz das ablaufende Schuljahr mit der Feier der 500. Motette (inklusive eines Staatsempfangs des Freistaats im Nürnberger Heimatministerium, der die Wertschätzung kirchlicher und politischer Würdenträger zum Ausdruck gebracht habe), diversen wichtigen Konzerte und Spielstätten (darunter Dresden, Potsdam, Stuttgart, München und das Rheingau Musik Festival sowie vier Aufführungen des „Messiah“ von Händel in englischer Sprache) und schließlich die aktuell neu vorliegende CD mit dem Percussion-Künstler Simone Rubino. Gerade die Zusammenarbeit mit diesem jungen und bereits groß gefeierten Künstler habe alle in Windsbach begeistert: bei den Proben und Aufnahmen im April, beim Konzert zur ION (das man im Februar 2020 in der Hamburger Elbphilharmonie wiederholen wird) und auch im Kontakt zwischen dem Musiker und den jungen Sänger, die sogar das Interieur der Internatsküche mit Trommelschlägeln zusammen zum Klingen gebracht hätten.
 
Lehmann freute sich verkünden zu können, dass die Sparkasse ihr Engagement um weitere vier Jahre verlängert habe – ein Jahr mehr als in der Vergangenheit: „Eine positive Weichenstellung, das Signal steht auf Kontinuität.“ Dass die FÖG im vergangenen Jahr erneut die FsJ-Stelle im Chor (kompetent besetzt mit Richard Stier) finanziert habe, empfinde er als großes Geschenk, betonte der Dirigent. Auch im kommenden Schuljahr gibt es hier entsprechende Verstärkung, dann durch Davud Werner. Für die kommenden Monate skizzierte Lehmann, was den Chor erwartet: im Oktober eine Amerika-Tournee mit neun Konzerten, Auftritte in Bozen und Meran sowie im Frühjahr Konzerte mit Bachs Matthäuspassion. 
 
70 Vorsänger hörten der Dirigent und sein Team, auch angesprochen durch die eigens hierfür eingerichteten Klangfänger-Gruppen in Nürnberg, Pappenheim, Rothenburg und Windsbach. „Die Nachfrage ist da“, erkennt der Chorleiter, der aus den Vorsingen 40 geeignete Kandidaten auswählen konnte. 20 davon wollten nun in der fünften Klasse des Windsbacher Gymnasiums beginnen: „Wenn denn alle kommen“, hofft Lehmann auf weitere Konsolidierung der Sängerzahlen. Durch die Rückkehr des Freistaats zu G9 zeichne sich zudem für die Zukunft ein entspannteres Arbeiten mit den dann wieder ein Jahr länger zur Verfügung stehenden Männerstimmen ab: 2025 wird es erstmals wieder einen 13. Jahrgang geben.
 
Als Vorsitzender der FÖG hatte auch Dr. Jochen Heinzelmann ein paar Zahlen parat: Derzeit zählt die FÖG 855 Mitglieder bei 30 Aus- und 32 Eintritten in den vergangenen Monaten. Er dankte Gaby Haupt, die die Geschicke der Gesellschaft vor Ort organisiert. In drei Sitzungen entschied der Vorstand über anstehende Projekte, darunter die Finanzierung eines Raumes im Rahmen der mittlerweile so gut wie abgeschlossenen Sanierung des Windsbacher Chorzentrums. Weitere Vorhaben sind weiterhin die Finanzierung von Stipendien und Nachhilfestunden sowie der Praktikanten- und FsJ-Stelle. Der Vorstand wurde schließlich entlastet und die Kassenführung von Helmut Pregler für tadellos befunden.
 
Im Anschluss gab der Chor dann noch ein kleines Konzert mit geistlicher und weltlicher Musik und begeisterte die FÖG-Mitglieder einmal mehr durch die professionelle Wiedergabe von Werken verschiedener Epochen, darunter die Motette „Alleluja“ für achtstimmigen Chor von Jake Runestad (*1986), bei der auch Bodypercussion zum Einsatz kommt. Bevor der Chor mit dem hessischen Volkslied „Mein Mädel hat einen Rosenmund“ und der schwäbischen Zugabe „Muss I denn zum Städele hinaus“ das Konzert polyglott beschloss, machte Martin Lehmann bei Mendelsohn-Bartholdys Volkslied „O Täler weit, o Höhen“ Platz für seinen scheidenden FsJler Richard Stier Platz. Ihm und allen anderen war der dankbare Applaus der FÖG-Mitglieder sicher – der dann auch prompt erwidert wurde: durch den Chor für seine Förderer.