„Sie alle sind wichtige Freunde“

WINDSBACH (8. Juli 2018). Auf erfreulich großes Interesse stieß die diesjährige Mitgliederversammlung der Fördergesellschaft: Fast bis auf den letzten Platz waren die Stühle im Betsaal des Sängerinternats besetzt. Chor- und Internatsleitung informierten die Unterstützer über das Geschehen im bald zu Ende gehenden Schuljahr.

„Wenn es dem Internat gut geht, geht es auch dem Chor gut“, weiß Direktor Thomas Miederer, der sich allerdings über mehr Schüler im Internat freuen würde: 94 Jungs wohnen aktuell im Windsbacher Sängerinternat. Die Demografische Entwicklung, geburtenschwächere Jahrgänge und eine kulturelle Interessenverschiebung weg vom Selbersingen hin zum passiven Musikgenuss und Singenlassen seien Problemfelder, denen sich der Knabenchor schon seit längerem gegenübersieht.
 
Hinzu käme die Frage der Verbindlichkeit: „Wie lange bin ich bereit, in ein so generationenübergreifendes Unternehmen wie diesen Knabenchor zu investieren?“ Dabei handele es sich gerade in Windsbach um eine echte Win-Win-Situation: „Das Kind gibt seine Stimme und sein Engagement in Proben und Konzerten – aber der Chor beschenkt es ja ebenfalls reichlich und bereitet es optimal aufs spätere Leben vor.“
 
Miederer berichtete von intensiver Nachwuchswerbung in Form der Klangfänger, für die bereits in den ersten Grundschulklassen geworben werde. Anders als Chöre in Leipzig oder Regensburg habe man in Windsbach keine eigene Grundschulklasse, um seine Sänger dort zu rekrutieren. „Wir müssen hier auf dem flachen Land um die gleiche Aufmerksamkeit kämpfen – aber wir tun das auch“, versicherte der Internatsdirektor.
 
Wichtig sei, den Kindern, die im Windsbacher Sängerinternat eine Heimat auf Zeit gefunden hätten, ein stabiles und lebenswertes Umfeld zu bieten, das den Gesamtkomplex einer neuen Schule, eines neuen Umfelds, des weiteren Kontakts zur Familie und des Hineinwachsens in die Chorgemeinschaft gleichermaßen abdecken. Die Fördergesellschaft trage mit ihrem finanziellen und ideellen Engagement maßgeblich dazu bei, dass diese Aufgabe in der Vergangenheit, gegenwärtig und auch in Zukunft Aufgabe gemeistert werden könnte: „Und dafür sind wir Ihnen unendlich dankbar“, unterstrich Miederer.
 
Chorleiter Martin Lehmann wiederholte dies aus Sicht des Chores: „Sie alle sind Freunde, die sich mit dem, was die Jungs hier leisten, gerne identifizieren und die uns hierbei unterstützen.“ Die Fördergesellschaft sei daher nicht nur als Finanzier ein wertvoller Partner, sondern dokumentiere auch nach außen hin, dass es wichtig sei, Windsbach so zu erhalten, wie es seit Jahrzehnten erfolgreich arbeite.
 
Lehmann berichtete schilderte die Themen, die den Chor in der vergangenen Saison bewegten: Musikalisch waren das unter anderem zwölf Konzerte mit Bachs h-moll-Messe, sechs mit dem Reformationsprogramm, Aufführungen des Weihnachtsoratoriums, eine Tournee in die Volksrepublik China sowie ein weiteres Programm mit Bachwerken, darunter das „Himmelfahrtsoratorium“, an dem man gerade intensiv arbeite.
 
Dass der bisherige Chormanager Delf Lammers nach 14 Jahren Windsbach verlasse, stimme Lehmann durchaus traurig, doch freue er sich bereits auf die Zusammenarbeit mit Lammers Nachfolgerin im Amt, Claudia Brinker, bis dahin Orchesterdirektorin der Staatskapelle Halle. „Wir sind Delf Lammers zu großem Dank verpflichtet, da er den Chor in Europa extrem gut positioniert hat.“
 
Dank der Fördergesellschaft geht es auch bei der Sanierung des Chorzentrums mit großen Schritten voran. Das Mammut-Projekt, an dem sich die Förderer mit der Finanzierung eines Raumes maßgeblich beteiligen, habe in vielen Bereichen positive Neuerungen gebracht, zählte Lehmann unter anderem einen modernen Brandschutz, neue Fenster, Beschattung sowie Klimatisierung des großen Chorsaals auf. Hier können nun die aktuell 125 Choristen effektiver proben.
 
Wie die Unterstützung der Fördergesellschaft in den vergangenen Monaten im Einzelnen aussah, darüber informierte Dr. Jochen Heinzelmann als Vorsitzender des Vorstands. Nach dem gelungenen Festkonzert auf Schloss Dennenlohe, mit dem im vergangenen Jahr das 50-jährige Bestehen der Fördergesellschaft mit 750 Gästen gebührend gefeiert worden sei, habe man sich nicht nur über den von den Chorsängern rund 70 neu gewonnenen Mitglieder freuen können, sondern auch über Einnahmen von 10.000 Euro, die nun in die Finanzierung des Raums im Chorzentrums fließen würden.
 
Aktuell 865 Mitglieder der Fördergesellschaft stünden für folgende Projekte ein: die Finanzierung von Stipendien und Nachhilfestunden, einer Praktikantenstelle, der Planstelle eines Mitarbeiters im Rahmen des Freien sozialen Jahres sowie des Choressens am Abend der Mitgliederversammlung. Weitere Felder, in denen die Fördergesellschaft tätig werde, seien zum einen die Fortsetzung der bestehenden Personalfinanzierung, zum anderen die Finanzierung eines Kompositionsauftrags zur Ergänzung der „Windsbacher Psalmen“.
 
Obwohl keine turnusmäßigen Wahlen anstanden, musste dennoch ein neues Vorstandmitglied im Amt bestätigt werden: Aus privaten Gründen hatte sich der bisherige Kassier Jürgen Leinberger aus dem Vorstand zurückgezogen, für ihn konnte mit Helmut Pregler der frühere Kämmerer der Stadt Windsbach und somit ein ausgewiesener Finanzfachmann gewonnen werden. Ebenfalls ohne Gegenstimmen, sondern mit begeisterter Zustimmung verliehen die anwesenden Mitglieder den Eheleuten Felicitas und Manfred Häßlein die Ehrenmitgliedschaft. Nicht nur bei ihnen bedankte sich Dr. Heinzelmann, sondern auch bei Gaby Haupt, die neben ihrer Arbeit als Chorsekretärin auch die organisatorischen Aufgaben der Fördergesellschaft meistert.
 
In einem weiteren Redebeitrag stellte das Förderschaftsmitglied Dr. Christoph Zwanzger die von ihm ins Leben gerufene Hans Thamm-Gedächtnisstiftung vor, aus deren Erträgen ebenfalls Stipendien an finanziell nicht so gut ausgestatte Elternhäuser vergeben werden sollen, um talentierten und stimmlich begabten Knaben das Mitsingen im Knabenchor und Wohnen im Sängerinternat zu ermöglichen.
 
Nach einem geselligen Kaffeetrinken mit von der Internatsküche selbstgebackenem Kuchen nahmen die anwesenden Mitglieder die Möglichkeit wahr, im bereits fertig sanierten großen Chorsaal einer von Martin Lehmann geleiteten und fachkundig moderierten Probe der Windsbacher beizuwohnen, wo sie eine klingende Einführung in Partien von Bachs „Himmelfahrtsoratorium“ sowie der Kantate „Gott fähret auf mit Jauchzen“ erleben.