Der Berg ruft

WINDSBACH (18. November 2011). Zugegebenermaßen ist der „Monte Soprano“ nicht wirklich ein Berg – aber immerhin die höchste Erhebung auf dem Internatsgelände, das den Windsbacher Knaben für lange Jahre ein Zuhause ist. Ein Hügel, von dem man nicht unbedingt die beste Aussicht hat und zum Rodeln bietet er auch nicht genügend Strecke. Aber es gibt ihn – und das nicht nur topographisch: Seit 2005 existiert er auch als eingetragener Verein: „Monte Soprano e.V.“. Und er hat eine hochmoderne Aufgabe, die auf neudeutsch „Networking“ heißt.
 
Das Sprichwort „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg kommen, bekommt hier eine ganz aktuelle Bedeutung, denn „Monte Soprano“ lädt alle ehemaligen und aktiven Mitglieder des Windsbacher Knabenchors ein, dem Verein beizutreten. Ziel des Vereins ist es dabei, die während der Zeit in Windsbach geknüpften Kontakte und Bindungen zu erhalten und auszubauen. Oder anders formuliert: „Monte Soprano“ möchte nicht, dass nach dem Ausscheiden aus dem Knabenchor alles vorbei ist. Der Verein versteht sich dabei auch als Plattform zwischen ehemaligen und aktiven Sängern.
 
Zur Gründung kam es am 5. Mai 2005, als einige Medien versuchten, eine Kampagne gegen den Knabenchor und seinen Dirigenten zu starten, was zahlreiche Ehemalige auf den Plan rief, um unhaltbare Vorwürfe zu entkräften. Auf einer virtuellen Plattform hatten sich damals weit über 100 einstige Knabenchor-Mitglieder organisiert, um dem Chor und seinem Personal den Rücken zu stärken. Aus dieser „Generalmobilmachung“ entstand der Wunsch, dem breiten Interesse Ehemalger für Windsbach dauerhaft Raum zu geben. So gründeten die ehemaligen Windsbacher Benjamin Myrus und Björn Rodday zusammen mit anderen Ehemaligen aus verschiedenen Jahrgängen den Verein „Monte Soprano e.V.“ und führten ihn bis ins Jahr 2008. Seitdem stehen ihm David Lugert und Elmar Stollberger vor und werden in ihrer Arbeit von Kassenwart Christian Rathgeber unterstützt.
 
Denn „Monte Soprano e.V.“ erhebt als eingetragener Verein einen Mitgliedsbeitrag von 10,- Euro jährlich, wovon die Unkosten der eigenen Homepage www.monte-soprano.de getragen und gelegentlich Grillfeste für die Mitglieder finanziert werden. Aktive Mitglieder des Knabenchores sind bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Ensemble von der Beitragspflicht befreit.
 
„Die Unterstützung des Chores ist sehr wichtig“, umreißt Elmar Stollberger (im Bild links mit David Lugert) ein weiteres Aufgabenfeld neben der Kontaktpflege: „Wir machen aktiv Werbung für die Fördergesellschaft, der etliche unserer Mitglieder bereits beigetreten sind.“ Auch bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs für den Knabenchor will man helfen und sich in Zukunft stärker als bisher einbringen: „Die Nachwuchsgewinnung wird die wichtigste Herausforderung der nächsten Jahre sein“, weiß Stollberger und freut sich, dass auch bereits zum neuen Chorleiter Martin Lehmann, der am 1. Februar 2012 das Amt von Karl-Friedrich Beringer übernimmt, ein freundschaftliches Verhältnis besteht. Gemeinsam will man hier Konzepte für die Zukunft entwickeln.
 
Als Plattform der Ehemaligen will „Monte Soprano e.V.“ auch zwischen den Sängern  der Ären Thamm (1948 bis 1978) und Beringer (1978 bis 2011) sowie den Aktiven der Lehmann-Ära Brücken schlagen, um den Knabenchor so in seine dritte Dirigenten-Generation zu begleiten: „Die geistige Verbundenheit zwischen den Windsbachern aller Zeiten ist für den Chor ein wertvolles Kapital, dessen Pflege uns sehr am Herzen liegt.“ Ehemaligentreffen sollen hier weitere Impulse liefern.
 
Über 220 Mitglieder zählt „Monte Soprano e.V.“ aktuell, wovon rund 30 aktive Sänger oder außerordentliche Mitglieder wie Erzieher sind. Alle anderen sind Ehemalige, die über die ganze Bundesrepublik verteilt sind und teilweise auch im Ausland leben. Aber egal ob Nürnberg, Hamburg, Mallorca, Finnland, USA oder Irland: Über den ständig aktualisierten Internetauftritt ist man nur einen Mausklick vom Vereinsleben entfernt.
 
Ruft man die Website www.monte-soprano.de auf, sieht man zuerst das Vereinslogo: ein stilisiertes Zahnrad mit dem geschwungenen Hügelsymbol und dem Vereinsnamen. Aktuelle Links informieren über Themen im und um das Chorleben: Presseartikel, Informationen aus der Fördergesellschaft, Flyer für die Eignungsprüfungen in Windsbach.
 
Ein Durchklicken lohnt sich – auch aus historischen Gründen: Eindrücke und Zeitungsbeiträge zu den Ehemaligentreffen 2010, Berichte zur künstlerischen und musikalischen Tätigkeit früherer Windsbacher oder sogar die Festpredigt zur Feier des 25-jährigen Bestehens der einstigen „Pfarrwaisen-Anstalt zu Windsbach“ am 6. August 1862 sind ebenso interessant wie (chorische) Veranstaltungen Ehemaliger oder eine ständig wachsende Linkliste, die Informationen über die Lebensläufe einstiger Sängerknaben bereithält, die mittlerweile auf den Bühnen weltweit zu erleben sind. Ein Gästebuch und ein Forum, das nur mit Passwort zu lesen und weiterzuführen ist, bieten ebenfalls Möglichkeit zum Austausch, um auf Konzerte aufmerksam zu machen oder Aushilfen für eigene Gesangsprojekte zu suchen.
 
Das Vereinsleben findet aber nicht nur im Netz statt – hier sei noch das Bundesliga-Tippspiel erwähnt –, sondern manifestiert sich vor allem in den jährlichen Mitgliederversammlungen anlässlich des Internatsfestes an Christi Himmelfahrt. Auch finden spontane Zusammenkünfte etwa nach Lorenzer Motetten statt, die ebenfalls via Netz koordiniert werden können.
 
Als Mitglied von „Monte Soprano e.V.“ hat man also vielfältige Möglichkeiten, sich über den Chor und seine einstigen Chor- und Schulkameraden auf dem Laufenden zu halten. Daher soll zum Schluss noch einmal Elmar Stollberger als Vorsitzender zu Wort kommen, der auf die Frage, was ihm sein Engagement für den Verein und damit für den Windsbacher Knabenchor bedeutet, treffend antwortete: „Für jemanden, dem Windsbach am Herzen liegt, ist das ja ganz selbstverständlich eine sehr, sehr schöne Aufgabe - und ein Ehrenamt im doppelten Wortsinn. Noch schöner ist diese Tätigkeit wegen unseres gut eingespielten Monte-Teams, in dem das Arbeiten einfach Spaß macht. Das gilt auch für die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Chor, Internat und Fördergesellschaft. Wie in jedem Verein gibt es auch bei uns Dinge wie Mitgliederverwaltung, Protokolle etc., die nicht wirklich vergnügungssteuerpflichtig sind – aber unterm Strich weiß man hier ja wenigstens, wofür man das macht.“