Musikalische Nachbarn
Man kennt sich und schätzt sich. Schon lange. Ein gemeinsames Konzert stand schon lange im Raum – einen Termin zu finden war dabei viel schwerer als das Programm aus Vivaldis Gloria, Mozarts „Krönungsmesse“ und Schuberts G-Dur-Messe. Gemeinsam mit der Fricke-Stiftung, die sowohl die Arbeit der Windsbacher als auch die des Ansbacher Kammerorchesters unterstützt, veranstaltete man 2005 bereits ein erstes gemeinsames Konzert.
Auch schon bevor Karl-Friedrich Beringer in Windsbach Chorleiter wurde, war man sich bereits freundschaftlich verbunden – und musizierte zusammen: Der Violinist und Musikpädagoge Karl Blendinger scharte in den 50er Jahren in einem Schülerkreis begabte, junge Musiker um sich, woraus 1973 das Ansbacher Kammerorchester hervorging. Über den von Beringer gegründeten Amadeus-Chor Neuendettelsau kam man rasch zusammen und konzertierte als „Amadeus-Orchester“ mehrmals jährlich miteinander.
„Diese Zusammenarbeit bewirkte eine enorme Qualitätssteigerung“, erinnert sich der heutige Konzertmeister Norbert Herrmann. Und so konnte sich das Ansbacher Kammerorchester als Begleiter von barocken Kantaten und Oratorienaufführungen in Bayern und Baden-Württemberg als geschätzter Partner zahlreicher Chöre einen Namen machen. Heute reicht das Repertoire des Ensembles von der Bach-Kantate über die großen Werke der Klassik und Romantik bis hin zum Gospel-Oratorium.
Konzertreisen führten das Ansbacher Kammerorchester nicht nur in den Norden der Republik, sondern auch ins Ausland. Nach Auftritten in Frankreich zählte 2009 das Gastspiel in der Partnerschaft Fermo zu den Höhepunkten, wo die Musiker vom italienischen Publikum begeistert gefeiert wurden.
Man musiziert als reines Streichorchester und wird für sinfonische Besetzungen von Musikern aus dem Holzbläserkreis um den Würzburger Oboisten Wolfgang Röckl oder den Ansbacher Blechbläsern um die Trompeter Ernst Berendes und Johannes Stürmer unterstützt. Die Mitglieder des Klangkörpers kommen ansonsten aus verschiedenen Berufen – in ihren Reihen finden sich unter anderem Birgit Trunk, die in Windsbach das Geigenspiel unterrichtet oder Johannes Schwinn, Leiter des Büros der Ansbacher Bachwoche.
Das Ansbacher Kammerorchester hat einen festen Platz im hiesigen Kulturleben, wofür nicht nur das traditionelle Neujahrskonzert im Onoldia-Saal steht. Allerdings bindet sich der Klangkörper nicht an einen festen Dirigenten, sondern arbeitet projektbezogen mit Künstlern wie Andreas Weiss, Wolfgang Kurz und Reinmar Neuner zusammen.
Oder eben Karl-Friedrich Beringer. Gefragt nach dem Besonderen an dieser Kooperation spricht die Cellistin Petra Mehringer von der besonderen Ausstrahlung des Dirigenten: „Er fordert einen unheimlich, was sich sehr positiv auf das eigene Spiel wie auf das des Ensembles als Ganzem auswirkt. Er kitzelt unheimlich viel heraus.“ Und wie spielt es sich mit den Windsbachern? „Im Vergleich mit anderen Knabenchören sind sie die einzigen, die bei mir eine Gänsehaut erzeugen“, schwärmt Mehringer von den Tempi, den Effekten, der Spannung: „Die Windsbacher singen einfach einzigartig mit ihren großen Bögen und der tollen Textverständlichkeit.“
Und auch Karl-Friedrich Beringer, der in Konzerten mit diesem Programm Klangkörpern wie den Berliner Kammervirtuosen oder dem DSO vorsteht, findet für das Ansbacher Kammerorchester nur lobende Worte: „Das sind semiprofessionelle Musiker – aber sie haben den unbedingten Willen, richtig gut zu musizieren. Das merkt man – oft mehr als bei großen Orchestern. Und das macht richtig Spaß.“
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