Geistvolles Programm

NÜRNBERG (26. September 2017). Was machen die Windsbacher in der kommenden Saison? Welche wichtigen konzertanten Projekte sollen bis Weihnachten 2017 und Sommer 2018 realisiert werden? Diese und andere Fragen beschäftigten die Teilnehmer beim jüngsten Pressegespräch in Nürnberg. Chorleiter Martin Lehmann gab die Antworten.

Doch bevor der Chorleiter einen Blick auf die kommende Saison warf, schaute er noch mal auf die vergangene zurück. Und das nicht ohne Stolz auf die Leistung der jungen Sänger, die nicht nur zwölf Aufführungen mit Bachs h-moll-Messe und sechs mit dem Weihnachtsoratorium (Kantaten I-III+VI) bestritten, sondern auch zahlreiche Konzerte mit Musik fränkischer Komponisten, die sich mit Luther-Texten und -bezügen beschäftigten – als Beitrag zum großen Reformationsjubiläum.
 
Dabei bezeichnete es der Dirigent, der in diesem Jahr zum Kirchenmusikdirektor ernannt wurde, als großes Glück, dass man diese Musik zu Pfingsten auch in einem live in Fernsehen und Internet übertragenen Gottesdienst im Münchner Dom habe singen können – ein Geschenk des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strom an seinen katholischen Kollegen Erzbischof Reinhard Marx, seines Zeichens auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: „Als Baustein, die Reformation auch im Bewusstsein der Ökumene zu feiern“, so Lehmann.
 
Zu begehen gab es in diesem Jahr auch zwei weitere Jubiläen: In die mit den Sommerferien zu Ende gegangene Saison 2016/2017 ragte noch der 70. Geburtstag des Windsbacher Knabenchores hinein, im Sommer dann feierte man mit einem Festkonzert auf Schloss Dennenlohe das 50-jährige Bestehen der Fördergesellschaft. Ihr „schenkten“ die Choristen 68 neue Mitglieder, nachdem sie kräftig die Werbetrommel gerührt hatten und somit die anvisierte Zahl von 50 noch übertreffen konnten. Es sei gut zu wissen, dass es so viele Menschen gebe, denen der Chor buchstäblich etwas wert sei, betonte Lehmann.
 
Freuen können sich die Windsbacher auch über die Entscheidung der bayerischen Bildungspolitik, flächendeckend zum G9, also zur neunjährigen, gymnasialen Schullaufbahn zurückzukehren. Auch wenn dies formal erst mit dem Schuljahr 2017/2018 in Kraft tritt und für den Knabenchor somit erst in neun Jahren zum Tragen kommen, ist man sowohl seitens der Chor- als auch der Internatsleitung zufrieden mit dieser Entscheidung: „Wenn man davon ausgeht, dass eine Männerstimme erst mit 25 Jahren ausgereift ist, ist dieses nun wieder zusätzliche Jahr, das die Sänger bei uns verbringen, ein großer Gewinn“, sagte der Chorleiter. 2011 wurde der erste Doppeljahrgang verabschiedet; seither musste Lehmann mit Änderungen von Klangvolumen, Tragfähigkeit und auch kognitiver Reife der zuweilen doch sehr jungen Männerstimmen jonglieren. In neun Jahren wird es also erstmals wieder eine 13. Jahrgangsstufe am Windsbacher Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium geben.
 
Auch an anderer Stelle gibt es Beeinträchtigungen des Chorbetriebs – wenn der Grund hierfür letztendlich auch ein zu begrüßender ist: Das in die Jahre gekommene Chorzentrum wird kernsaniert, wofür Gesamtkosten von 2,67 Millionen Euro gestemmt werden müssen. Zwar könne man hier buchstäblich auf die Unterstützung der Landeskirche, des bayerischen Kulturfonds, der Kommunen und zahlreicher Spendengeber bauen, doch müssten weitere Mittel aufgetrieben werden, um die Ziele, im Frühjahr 2018 den großen Chorsaal und nach den Sommerferien dann weitere Räumlichkeiten wieder nutzen zu können, zu realisieren. Derzeit sind Stimmbildung und Instrumentalunterricht ausgelagert und auch die Proben finden im Betsaal des Sängerinternats und der Stadthalle statt, wofür Lehmann die Kooperationsbereitschaft der Verantwortlichen im Rathaus vor Ort ausdrücklich lobte.
 
Nach einem derart ausführlichen Rückblick war die Spannung der Medienvertreter auf das Kommende natürlich umso größer – und sie wurden nicht enttäuscht, denn der druckfrische Konzertkalender ist prall gefüllt: „Ich freue mich sehr darauf“, sagte Lehmann dann auch gleich zu Beginn und verwies auf vier Konzerte mit dem Weihnachtsoratorium sowie ein weiteres reines Bach-Programm am Ende des Schuljahrs mit der Aufführung des Himmelfahrtsoratoriums, der Kantate „Gott fähret auf mit Jauchzen“, der h-moll-Suite als orchestralem Beitrag und der Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“.
 
Dieses Werk wird also nach vielen Jahren endlich wieder ins Repertoire der Windsbacher zurückkehren und auch in den kommenden A-cappella-Programmen einen festen Platz haben – neben Werken von Heinrich Schütz, Francis Poulenc, Ernst Pepping und Johannes Brahms, die sich thematisch eben sämtlich um den „Geist“ drehen werden. Für das weltliche Programm der Romantik wird sich der Knabenchor mit Werken von Brahms, Felix Mendelssohn, Franz Schubert, Robert Schumann, Friedrich Silcher und Josef Gabriel Rheinberger beschäftigen.
 
Statt der im gedruckten Konzertkalender angekündigten Reise nach Oman soll es im Mai erneut in die Volksrepublik China gehen. Die Reise ins Emirat wurde seitens der Windsbacher abgesagt, nachdem der dortige Veranstalter nur ein eigenes Konzert und eines mit Beteiligung anderer Chöre anbot: „Das hätte eine solch weite Reise kaum gerechtfertigt“, begründete man seitens des Chorbüros.
 
Auch wenn die Nachwuchssituation nach wie vor ein Thema ist – Lehmann: „Das war aber auch schon zu Zeiten von Hans Thamm so.“ –, ist man in Windsbach mit 126 Sängern stabil aufgestellt und unbedingt musizierbereit: 95 Jungs davon bewohnen das Sängerinternat, fünf kommen direkt aus Windsbach, 26 verbringen ihre Zeit im Chor als Tagesheimschüler. Erwähnenswert ist, dass ein „neuer“ Sänger erst als Schüler der elften Klasse dazu gestoßen sei: „Das finde ich trotzdem gut“, so der Dirigent, weil dies das über die Jahre feste Gefüge eines Jahrgangs durchaus auffrischen könne. Um weiteren Nachwuchs im Knabenalter kümmert man sich nach wie vor via Schul-Scouting und mittlerweile sieben Klangfänger-Gruppen (drei in Windsbach, zwei in Nürnberg und je eine in Rothenburg und Pappenheim).
 
Zum Schluss gab es noch einen kleinen Ausblick auf zukünftige Projekte: In der Saison 2018/2019, genauer gesagt im Oktober des kommenden Jahres, wird man die 500. Lorenzer Motette singen und dies natürlich gebührend feiern. Und in den kommenden Monaten wird man sich neben den erwähnten Bachwerken bereits mit einem anderen, großen barocken Oratorium beschäftigen: Händels Messias – und zwar in englischer Sprache.