Sicherheit hat hier immer Vorfahrt

SACHSEN (20. Februar 2019). Wenn sie nicht gerade zu Fuß zur Stadtkirche laufen, gelangen die Windsbacher ausnahmslos per Reisebus zu ihren Zielen. Bei einem Besuch der Firma Wellhöfer, mit der der Knabenchor seit Jahrzehnten unterwegs ist, erzählt Geschäftsführer Rudolf Wellhöfer, was er alles für die Sicherheit seiner Fahrgäste unternimmt.

 
Ein Unfall mit zum Glück nur Blechschaden auf der Heimfahrt vom „Messiah“ in Eindhoven kurz vor der Heimkehr nach Windsbach im Dezember war seit 1974 der erste dieser Art. Rein statistisch gesehen sind die Windsbacher in den nächsten Jahrzehnten also weiterhin unfallfrei unterwegs. Damit das auch in Zukunft so bleibt, tut das Unternehmen viel.
 
Die Besten für die Besten
So kommen nur die neuesten und damit sichersten Fahrzeuge zum Einsatz. Momentan umfasst die Busflotte bei Wellhöfer 30 Fahrzeuge, die von 45 Fahrern gelenkt werden. Die Windsbacher sind – ebenfalls seit Jahrzehnten – mit den besten Mitarbeitern von Rudolf Wellhöfer unterwegs: Thomas Lichtenegger und Dieter Thom fahren die jungen Sänger zu ihren Konzerten oder zum Flughafen, wenn eine Auslandsreise ansteht. Besonders für diese Fahrer würde der Chef seine Hand ins Feuer legen.
 
„Unsere Busse sind sicher“, sagt Wellhöfer – und es klingt weitaus überzeugender als dereinst Norbert Blüm in puncto Rente. Die Fahrzeuge sind immer auf dem neuesten Stand, verfügen über eine spezielle Luftfederung und werden vier Mal jährlich dem TÜV vorgeführt: einmal zur Haupt- und drei Mal zur Zwischenuntersuchung. Es werden ausnahmslos neue Reifen aufgezogen, nie nur runderneuerte. Zum Einsatz kommen Sommer- und Winterreifen, in den warmen Monaten Eco-Varianten, die besonders leise sind und die Wärme gut absorbieren. Dass alle Busse über die aktuellste Technik – also ABS (Antiblockiersystem) und ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) – verfügen, ist natürlich selbstverständlich.
 
Jedes Fahrzeug wird regelmäßig gewartet und geputzt. Was der Fahrgast kaum merkt: Die Busse werden nach jedem Einsatz auch desinfiziert: Griffe und Klapptische sowie das WC werden von spezialisierten Wagenreinigern gesäubert. Wenn die Windsbacher ihre Großraumlimousinen besteigen, finden sie also alles picobello vor: Lüftung und Heizung sowie die Klimaanlage funktionieren, die Busse verfügen über W-LAN, TV, WC, eine kleine Küche und einen Kühlschrank. Ist der Chor in normaler Besetzung unterwegs, reist er grundsätzlich in zwei Bussen der Marke Mercedes, von denen der eine mit 57 Sitzplätzen 14 Meter und der andere mit 52 Sitzplätzen 13 Meter lang ist.
 
Tempomat und Sicherheitsgurte
„So ein Bus hat eine wahnsinnige Bremskraft“, erklärt Rudolf Wellhöfer und nennt beeindruckende Zahlen: 15 Tonnen Leergewicht, zu denen auf Reisen gut und gerne noch mal zwei Tonnen Gepäck und drei Tonnen Fahrgäste kommen. Ein Tempomat bremst das Gefährt automatisch ab, wenn der Abstand zum Vordermann zu gering ist. Dass der seitens des Busses immer gebührend ist (halber Tachowert), haben die Wellhöfer-Fahrer ihrerseits immer im Blick. Und auch, dass die Insassen angeschnallt sind. „So ein Bus kann umkippen und es passiert den Passagieren nichts“, betont Wellhöfer: „Vorausgesetzt, alle haben den Sicherheitsgurt angelegt.“
 
Wellhöfers Buslenker werden regelmäßig einem Fahrsicherheitstraining unterzogen und müssen sich alle fünf Jahre bei einem Arzt einem medizinischen Test unterziehen. Behält man seinen „Lappen“ als normaler PKW-Fahrer in der Regel sein Leben lang, wenn man sich nichts zuschulden kommen lässt, wird der Busfahrer-Führerschein alle fünf Jahre neu ausgestellt – vorausgesetzt, man ist „punktefrei“ und absolviert erfolgreich verschiedene Module wie Ladungssicherung, vorausschauendes, umsichtiges und wirtschaftliches Fahren. Geschult werden die Wellhöfer-Angestellten auch in der richtigen Behandlung des digitalen Tachometers, der dem Fahrer 15 Minuten vor Reiseantritt die Fahrerabfahrtskontrolle vorschreibt, etwa die Überprüfung des Reifendrucks oder die Scheinwerfer. Erst dann kann es losgehen.
 
Und das nur für höchstens viereinhalb Stunden mit 45-minütiger Pause. Die Windsbacher Busse sind jedoch höchstens zweidreiviertel Stunden unterwegs, bevor es eine längere Unterbrechung gibt: „Die Jungs müssen ja auch mal raus“, weiß Wellhöfer, der auch selbst hinterm Steuer sitzt (und demnächst übrigens seine über 2,5 Millionen Kilometer „drauf“ hat). Ob die Fahrer ihre Pausen einhalten, wo sich die Busse momentan befinden und auch, wie schnell sie gerade unterwegs sind oder waren, kann der Chef an seinem Rechner im Büro via versteckt eingebautem Navigationsinstrument bei jedem Fahrzeug live mitverfolgen.
 
Die Fahrer, die Wellhöfer auf die Straßen schickt, beherrschen nicht nur ihr Gefährt: „Sie müssen motiviert, entspannt und zuverlässig sein“, fordert der Rudolf Wellhöfer. Die jungen Sänger würden ihren beiden Chauffeuren diese Eigenschaften jederzeit unterschreiben. „Wellhöfer bringt den Windsbacher Knabenchor sicher zum Auftritt“, steht auf den beiden Bussen. Und das ist kein leeres Versprechen, sondern seit vielen Jahrzehnten (fast) ununterbrochen Tatsache.