Die Gambe – ein königliches Instrument

WINDSBACH (12. Mai 2017). Wenn die Windsbacher in den kommenden Wochen mit dem Ensemble Wunderkammer zusammen musizieren, begegnen sie dort verschiedenen Instrumenten: einer Orgel, dem Cembalo, einem Cello. Und einer Gambe – einem Streichinstrument der Alten Musik, das nicht jeder sofort (er)kennen wird. Wir haben uns dieses königliche Instrument einmal genauer angesehen.
 
Dieser Tage haben barockliebende Cineasten Grund zur Freude: Endlich erscheint der Film „Die siebente Saite“ (im französischen Original „Tous les Matins du monde“) von Regisseur Alain Corneau aus dem Jahr 1991 auf DVD! Und wer die Gambe liebt, sollte ihn unbedingt sehen: Man begibt sich ins Frankreich des späten 17. Jahrhunderts, wo man auf Monsieur de Sainte-Colombe trifft. Der Gambist hat sich nach dem Tod seiner Frau verbittert zurückgezogen und lebt zusammen mit seinen Töchtern Madelaine und Toinette. Eines Tages taucht ein junger Musiker auf, der um Unterricht bei Sainte-Colombe bittet: Es ist Marin Marais.
 
Der lernt begierig und wird jedoch nach wenigen Monaten entlassen, da der Lehrer befürchtet, sein Schüler könnte ihn übertreffen. Weil der jedoch weiter vom Wissen des Älteren profitieren will, folgt er ihm im Sommer, wenn sich Sainte-Colombe in seinem Gartenhäuschen einschließt, um in Ruhe spielen zu können – dieses Lauschen eröffnet ihm so manches Geheimnis des Gambenspiels, was er später am Hofe Ludwigs XIV. buchstäblich vergolden kann. Der alternde Künstler, im Film grandios dargestellt von Gérard Depardieu (den jungen Marais spielt nicht minder überzeugend sein Sohn Guillaume), besinnt sich später jedoch auf den wahren Wert der Musik und folgt damit seinem Lehrer Sainte-Colombe. Dem wird übrigens die Hinzufügung der siebten Saite der Bass-Gambe zugeschrieben, wodurch das Instrument einen größeren Tonumfang und volleren Klang erhielt.
 
Dieser „Filmstar“ wird auch die Konzerte der Windsbacher mit dem Ensemble Wunderkammer zu etwas Besonderem machen: Die Gambe zählt zur Gruppe der Streichinstrumente, die wiederum zu den Lauten gehört. Der Streichbogen kam aus dem Orient über Byzanz ins Abendland, wo er seit dem zehnten Jahrhundert bildlich belegt ist. Das Streichen der ursprünglich gezupften Lauteninstrumente machte bauliche Veränderungen nötig: Weil die gestrichene Saite unter höherer Spannung steht und dadurch auch weiter ausschwingt, führte man sie über einen Steg und befestigte sie an einem kräftigen Sattelknopf in der Zarge. War der Steg mittelalterlicher Instrumente flach, nahm er mit dem Bedürfnis nach dem Einzelspiel auf jeder Seite eine Wölbung an. Um dem Bogen beim Anstrich der Ecksaiten genügend Raum zu lassen, bekam das Instrument seitliche Einbuchtungen; die stärkere Spannung der Saiten führte auch zu einer Wölbung der Decke.
 
Die Viola da Gamba, „Mutter“ der Violen und Gamben, wird zwischen den Knien gespielt und verfügt über sechs bis sieben Saiten in Quart- und Terzstimmung sowie sieben Bünde auf dem Griffbrett, spitzwinklig gegen den Hals laufende Schultern, Schalllöcher in C-Form, hohe Zargen und einen flachen Boden. Bereits im 16. Jahrhundert existierten Diskant-, Alt-, Tenor-, Kleinbass-, Großbass- und Subbass-Violen da Gamba. Der Klang der Viola da Gamba ist rund, voll und mild und ähnelt der menschlichen Singstimme.
 
Das Gemälde von Thomas Gainsborough (1765) zeigt den Komponisten Carl Friedrich Abel mit einer Bassgambe. Ein spannendes Video auf Youtube informiert außerdem über den Bau einer Viola da Gamba.