Trotz Corona in Kontakt mit den Choristen

WINDSBACH (4. Mai 2020). Wer hätte sich das jemals vorstellen können: Eine Pandemie sorgt dafür, dass nicht nur ein ganzes Land, sondern die Welt eine Zeit lang stillsteht. Auch das Sängerinternat musste geschlossen werden. Doch ganz ohne Singen müssen die Choristen dank Internet nicht bleiben: In einem Online-Tutorial sind die Jungs stets mit Chorleiter Martin Lehmann sowie seinen Assistenten Alexander Rebetge und Lukas Baumann in Verbindung.

Verschiedene Tutorials stehen den jungen Sängern dabei zuhause zur Verfügung. Voraussetzung hierfür sind eigentlich nur ein Rechner und eine einigermaßen stabile Internetverbindung. Und schon können die Mitglieder des Probenchors, des Mutantenstadls und der Chorvorbereitung lossurfen.
 
Im Probechor geht es beispielsweise um den Chor „And the glory“ aus Händels „Messiah“, der ja an Weihnachten hoffentlich wir geplant zur Aufführung kommen kann. In Audiodateien hört man eine Aufnahme des Stücks von Carus: Einmal im kompletten Tutti, dann in verschiedenen Versionen mit auf dem Klavier hervorgehobenem Sopran, Alt, Tenor oder Bass. Natürlich gibt es auch die Noten: als PDF-Datei.
 
Im gleichen Format haben die Sänger in den Zwangsurlaub Noten der Bach-Motette „Komm, Jesu, komm“ geschickt bekommen. Martin Lehmann stellt das Stück in einem kurzen Teaser vor und gibt Tipps zum Einstudieren: Wo finden sich zum Beispiel bei YouTube schöne Aufnahmen? Auch für diese Motette gibt es eine entsprechende Einstudierhilfe – diesmal als leicht quäkendes Midi-File, dafür aber mit Metronom. Und man bekommt das Ganze mit fortlaufender Notierung gezeigt. So arbeiten übrigens auch Sänger, die sich als Mitglieder namhafter Konzertchöre daheim auf die limitierten Proben ihrer Profiensembles vorbereiten müssen.
 
Was in der Arbeit des Probenchors unabdingbar ist, ist die Fähigkeit, vom Blatt zu singen. In einem Video erklärt Alexander Rebetge die Grundlagen: Steht das Stück in Dur oder in Moll? Wie schnell muss es gesungen werden? Und welcher Rhythmus liegt dem Stück zugrunde? Gibt es schwierige Situationen und Pausen? Einfühlsam spricht Rebetge die einzelnen Punkte an und stellt erst einfache und dann immer anspruchsvoller werdende Beispiele zum Mit- und Nachsingen vor. Übung macht eben auch hier den Meister. Martin Lehmann hat ein Intervall-Training eingestellt, bei dem er verschiedene Tonsprünge vorstellt, deren Abstände es zu bestimmen gilt.
 
Auch für die Sänger, die derzeit im Stimmbruch sind, gibt es online ein eigenes Tutorial mit Einsingübungen für Stimmwechsler. Die Mitglieder der Chorvorbereitung erfahren in Corona-Zeiten ebenfalls digitale Aufmerksamkeit, erfahren beispielsweise Theoretisches über verschiedene Intervalle. Das geschieht durchaus auch spielerisch mit verschiedenen Rätseln und Quizfragen zum Singen oder zu Bachs Motette „Komm, Jesu, komm“ sowie Mauersbergers „Wie liegt die Stadt so wüst“.
 
Mit ihren Online-Tutorials haben die Verantwortlichen in Windsbach fraglos aus der Not eine Tugend gemacht und die Online-Affinität der „digitalen Generation“ geschickt genutzt, um mit den Sängern daheim in Kontakt zu bleiben und sie so gut wie möglich auf die kommenden Probenarbeit vorzubereiten. Es wäre durchaus interessant zwei Szenerien zu erleben: die ersten Töne der genannten Bach-Motette einmal mit und einmal gänzlich ohne Vorbereitung daheim zu hören. Und sicherlich wird darüber hinaus bei manchem Sänger die Neugier geweckt, was das Netz zur Vorbereitung so alles zum eigenen Stimmtraining hergibt und somit die Recherchekompetenz gestärkt.
 
Wie Martin Lehmann und Alexander Rebetge während der Corona bedingten Chorabsenz in Windsbach trotzdem drei Mal wöchentlich eine digitale Chorprobe abhalten, darüber informiert ein Beitrag des Bayerischen Rundfunks.