Moderator Thomas Fleischmann, Sky Sport News

Zwischen Bach und Raul. Oder: Eine Nacht – zweimal pure Leidenschaft.

Was selbst hier in der Redaktion bei Sky wohl die Wenigsten wissen: Zehn Jahre meines Lebens – von der dritten Klasse bis zum Abitur – habe ich im weltberühmten Windsbacher Knabenchor verbracht. Einem Ensemble auf Weltniveau. Noch heute schätze ich diese intensive Erfahrung als ein großes Glück in meinem Leben. Bevor ich also als Reporter in den Hallen und Stadien unterwegs war, tourte ich über die Bühnen dieser Welt. Tokio, Melbourne, Rio de Janeiro, Jerusalem, London, Paris oder Berlin. Noch heute kann ich behaupten, mehr Konzertsäle als Stadien betreten zu haben. Und seit dieser Zeit bin ich wohl auch einer der größten Verehrer klassischer Musik.

In diesem Jahr hatte ich zwei Tage vor dem Heiligen Abend wieder die Gelegenheit, meinen alten Chor live zu hören – mit Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium – ohne geht es nicht für mich in der Weihnachtszeit. Gleichzeitig das Abschiedskonzert des Chorleiters, der damals auch mein „Chef“ war. Unweit meiner Heimat, St. Gumbertus, Ansbach, Mittelfranken. Donnerstagabend, 20 Uhr. Ein Muss. Auch wenn am Freitagmorgen um 3 die Frühschicht bei Sky Sport News HD ruft.

Um 22.07 verlasse ich nach hochemotionalem Applaus die Kirchenbank in Ansbach. Zwei Stunden und 200 Kilometer später – zuhause. Noch schnell zwei Stunden Schlaf mitnehmen. Bevor das Handy – diesmal extra-laut – den neuen Tag einläutet. Pünktlich um 2.59 Uhr fahre ich in dieser Nacht in die Katakomben der Sky-Zentrale in Unterföhring. Weitere drei wache Stunden später geht es mit meiner Kollegin Ursula Hoffmann live on air. Vier Stunden lang. Bach wird zu Raul. Das Weihnachtsoratorium zur Nachbetrachtung des DFB-Pokals. Eine gute, reibungslose Sendung für alle. Gut so. Kein Rezept für jeden Tag – aber ganz sicher für diese eine Nacht mit der doppelten Portion Leidenschaft.

Vielleicht bin ich ja hiermit sogar den Beweis angetreten, dass sich Frühschicht und soziales oder kulturelles Leben nicht ausschließen – zumindest nicht jeden Tag.
Aber in jedem Fall ist das der Beweis, dass in meinem Körper weiter zwei Herzen schlagen. Das eine für den Sport, das andere für die Musik. Genauso soll es bleiben.
Auch weil sich beides so ähnlich ist – und weil beides vielen Menschen auf der ganzen Welt mehr schenken kann als jedes Christkind. Sport und Musik verbindet die Energie, die Emotionalität, die Leidenschaft, das Streben nach Perfektion und Glück.
Mir jedenfalls bleibt die eine, genauso wie die andere Leidenschaft auch in Zukunft erhalten. Garantiert.

Die besten Grüße,
Ihr Thomas Fleischmann