Live von unserem Korrespondenten in China (1)

SHANGHAI. Auf weit mehr als drei Chinesen treffen die Windsbacher derzeit in Fernost. Und die haben auch nicht immer einen Kontrabass zur Hand. Was der Chor gemeinsam mit seinem Dirigenten Karl-Friedrich Beringer und den Bläsersolisten des DSO im Reich der Mitte erlebt, berichtet Maximilian Rüb.
Liebe Daheimgebliebenen!
Nihau! So sagt man hier in China zur Begrüßung. Heute also der erste Teil meines China- Blogs, der Euch einen kleinen Einblick in unseren Tournee-Alltag geben soll!
 

Erster und zweiter Tag (Flug Frankfurt – Shanghai; Ankunft in China) Zehn Stunden dauert der Flug von Frankfurt nach Shanghai. Er war aufgrund der Servicequalität der Lufthansa erträglich. Zwei warme Mahlzeiten, sowie ein kühles deutsches Bier ließen uns hoch über den Wolken noch ein letztes Mal einen Hauch von Heimat erfahren! Da der Pilot die Nacht konsequent umflog, war die Dunkelzeit im Flieger relativ kurz. Doch mit geschlossenen Fenstern ließ es sich dann recht gut bis zu Bordfrühstück schlafen.

 
In Shanghai wurde zunächst Fieber gemessen. Niemand durfte das Flugzeug verlassen. Männer in Maleranzügen, mit Mundschutz und Schutzbrille gingen durch die Kabine und stellten mit Infrarotpistolen die Temperatur jedes einzelnen fest. Einige wurden elektronisch nachgemessen. Bei einer Chinesin rückten sie ein drittes Mal an, diesmal mit einem guten alten Quecksilberthermometer. Es half nichts: Die Dame hatte erhöhte Temperatur und wurde sofort in Quarantäne gebracht. Wir anderen durften endlich in das Reich der Mitte einreisen.
 
Nachdem einige Jetlag-Durchhänger der Busfahrt überstanden waren, erwartete uns im Hotel das erste chinesische Mittagessen. Auch wenn manch einer nicht genau wusste, was er da gerade unter seiner Nase hinein schob, blieb das Motto: „Alles wird probiert!“ Denn wenn sich 1,3 Milliarden Chinesen täglich von dieser Kost ernähren, bringt uns das auch nicht um! Grundsätzlich muss man sich beim Genuss von chinesischem Essen komplett vom mitteleuropäischen Geschmacksideal lösen. Weiterhin mussten wir feststellen, dass auch das in Deutschland angebotene chinesische Essen eher einem Klischee als der Wirklichkeit entspricht. Das Essen mit Stäbchen („Chopsticks“) wurde nach zwei im Wasserglas versunkenen Reisklopsen und vier Brocken Schweinefleisch auf der Tischdecke auch langsam besser!
 
Nach einer kleinen Mittagsruhe machten wir uns auf ins Stadion zum Länderspiel China gegen Deutschland. Der Deutsche Fußball Bund hatte uns eingeladen, freilich nicht ohne den hartnäckigen Einsatz unseres Agenten Delf Lammers. Noch viel schwerer war es aber gewesen, auch den Chef davon zu überzeugen, dass wir die Tickets auch nutzen durften... Das Spiel endete mit einem nüchternen 1:1. Unser Chef, der die Aktionen der beiden Mannschaften mit größtem Interesse verfolgt hatte, brachte die Leistung der deutschen Elf auf den Punkt: Die Qualität des deutschen Spiels entspricht der unseres Bass I! Es war jedoch trotz der spielerischen „Leistung“ ein schöner Abend und ein gelungener Auftakt zu unserer Chinatournee!
 
Dritter und vierter Tag
Guten Morgen China! Heute haben wir zum ersten Mal in chinesischen Betten geschlafen. Der gewöhnliche Mitteleuropäer bevorzugt es ja eher weich. Daran gemessen, schlafen die Chinesen auf einem Brett. Aber wenn 1,3 Milliarden Menschen so schlafen …
 
Jetzt zum Frühstück. Auch hier wurde nicht sonderlich auf unsere westlich geprägten Gaumen Rücksicht genommen. Abgesehen von Toast und Wassermelone bestimmten gebackene Pilze, gebratene Nudeln und andere chinesische Spezialitäten das Buffet. Doch auch hier kennen wir Windsbacher keine Scheu!
 
So gut gestärkt machten wir uns auf unsere erste Tour durch Shanghai. Das Stadtbild ist von drei Dingen geprägt: Hochhäusern, innerstädtische n Slums und dem Verkehr. Das chinesische Verkehrssystem scheint darauf zu beruhen, die meistens nicht vorhandenen Verkehrsregeln konsequent zu ignorieren. Das Gute an dem Chaos ist, dass zwangsweise alle Verkehrsteilnehmer langsam fahren müssen, was Fußgängern und geschätzten zwei Millionen Fahrrad- und Mopedfahrern die Möglichkeit gibt, zwischen Kofferraum und Kühlergrill hindurch zu schlüpfen. Habe ich schon erwähnt, dass in und um Shanghai rund 17 Millionen Menschen leben? Der Kontrast zwischen zwölf- und mehrstöckigen Häusern und den gelinde gesagt heruntergekommenen „Häusern“ der Slums ist erschreckend. Während in den mit Klimaanlagen behängten Wolkenkratzern scheinbar unüberwindbare Anonymität zu herrschen scheint, ist das Elend in den verdreckten Gassen nur am Gestank zu erahnen.
 
Eine der schöneren Seiten der Stadt zeigte sich am Abend mit dem Konzertsaal. Das „Center of Oriental Art“ hat eine Kapazität von 1900 Sitzen, die zum Konzert fast vollständig mit Chinesen besetzt waren. Um es kurz zu machen: Es war ein richtig schöner Auftakt. Auch wenn der erste Teil trotz Zwischenapplaus´ des Publikums ein wenig zu kurz ausfiel, gaben sowohl die Bläser als auch wir samt unserem Chef eine tolle Vorstellung ab. Alle waren glücklich. Die Chinesen vor allem, als sie in der zweiten Zugabe ihr bekanntes Lied „Hold Hands“ schon am Vorspiel erkannten und spontan vor dem Choreinsatz klatschten. Mit einem solchen Auftakt reist man gerne weiter.
 
Weiter geht’s nach Gouangzhou, dem früheren Kanton. Bis dann!
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